Freitag, 16. Mai 2008

Bodenqualität

In Montréal liegt der Schnee von November bis April. Auf der Strasse wird er weggepflügt, in den Vorgärten türmt er sich oft meterhoch, vermischt mit Salz und Schotter. Kommt dann im Mai trotzdem das Gras wieder durch, ist man geneigt, dies jedes Jahr wie ein kleines Wunder anzusehen. Gerade jetzt ist das Gras so schön grün, dass man gerne eine Ziege wäre, um hineinbeissen zu können. Letzten Sommer, als wir zum Geburtstagsfest eines Kollegen von Monsieur eingeladen waren, gab es just eine Torte, die aussah, als sei sie mit dem Spaten aus einem Golfplatz ausgestochen und auf ein silbernes Tablett gehievt worden. Es handelte sich um einen rechteckigen, dunklen Biskuitboden mit einer Schicht Schokocreme und doch tatsächlich GRÜNEN GRASHALMEN AUS ZUCKERGUSS OBENDRAUF. Um die Illusion perfekt zu machen, war ein Tee mit einem Golfball zwischen den Grashalmen platziert worden, und auf einer Fahne stand „Michel 50 Jahre“.

Obwohl wir uns nicht sicher waren, ob die Torte nun sehr prächtig oder abgrundtief kitschig war, schmeckte sie hervorragend – locker und nährstoffreich, wie sich das für einen guten Boden gehört. Und kein bisschen kalkhaltig, wie Monsieur hinterhältig behauptete.

Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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Zuletzt aktualisiert: 23. Mai, 03:27

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