Selbständig arbeiten

Freitag, 22. März 2013

Eine Frage der Perspektive

Eine Agentur, mit der Lilli zusammenarbeitet, will Lilli treffen, um mit ihr über die Aufgabenstellung zu diskutieren. Sofort macht sie sich Sorgen darüber, was sie falsch gemacht haben könnte. Und sofort fallen ihr mehrere Sachen ein, die ihr diese Leute vorwerfen könnten. Vielleicht, dass sie die E-Mails nicht schnell genug beantwortet, oder dass sie letztens etwas kurz angebunden oder nicht präzise genug war? Neulich wollten sie Lillis Kommentare zu einem Bericht, und Lilli hat ihn doch tatsächlich noch nicht einmal geöffnet! Oh je, wenn das nur mal keine weitreichenden Konsequenzen haben wird... Dann fällt ihr ein: he, ich bin hier der Kunde! Obwohl sie jetzt schon seit fast vier Jahren Aufträge vergibt, anstatt sie anzunehmen, ist sie mehr als bereit, sich sofort auf die Suche der eigenen Fehler zu begeben. Wenn Lilli eine Tochter hätte, würde sie diese Haltung sehr beunruhigen...

Montag, 7. November 2011

Tisch und Bett

Da bei Lilli im Arbeitszimmer gerade nicht am Computer, sondern an den Wänden gearbeitet wird, sind die Computer auf einen wackeligen Balkontisch in Lillis Schlafzimmer umgezogen. Jetzt lockt, während Lilli tippt, das Bett, und kaum liegt Lilli im Bett, mahnt der Computer mit seinem rechteckigen Grinsen. Keine gute Idee, das. Hoffentlich wird der Mann oben zügig fertig, damit wieder alles seinen rechtmässigen Platz bekommt. Die Arbeit genauso wie das Vergnügen...

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Lichtblick

Nachdem Lilli nun so schön aufgeräumt hat, soll auch eine Wand ins Allzweckzimmer gezogen werden, um Monsieur beim Von-Zuhause-Arbeiten die nötige Ruhe zu verschaffen (oder war's, um der Familie die nötige Ruhe zu verschaffen?). Alle, die daheim arbeiten und mit anderen Menschen zusammenwohnen, nicken bekräftigend mit dem Kopf, als Lilli ihnen erzählt, dass Monsieur jetzt eingemauert werden soll. Aber anders als in den Schauergeschichten von Edgar Allan Poe wird es auch eine Tür geben. Damit er ab und zu wieder rauskommen kann aus seinem Verschlag.

Samstag, 2. April 2011

Falscher Film

Seit Monsieur sebständig ist, verwickelt er Lilli in surreale Gespräche, bei denen es ihm gar nicht aufzufallen scheint, was für seltsame Sachen er sagt. In etwa so:

Monsieur (schmollend): Ich dachte, du machst mir die Buchhaltung.
Lilli: Ich, wieso ich?
Monsieur: Ich kann mit niemandem so gut arbeiten wie mit dir.
Lilli: Aber ich habe schon eine Arbeit. Sogar einen Tag mehr als vorher.
Monsieur: Aber du hast immer noch zwei Tage Zeit.
Lilli: Ich hab auch noch andere Sachen zu tun. Kinder. Haushalt. Essen. Wäsche. Sport....
Monsieur: Dann such eine Putzhilfe.
Lilli: Aber ich bin keine Buchhalterin und will es auch nicht werden. Und schon gar nicht für jemand Unorganisierten wie dich.
Monsieur: Warum nicht?
Lilli: Das ist nicht gut für uns, glaub mir. Such dir lieber jemand anderen, jemand Aussenstehenden, der nicht mit dir das Bett teilt und nicht mit dir in den Urlaub fährt.
Monsieur: Aber dich müsste ich nicht bezahlen.

So hoch, wie sie möchte, kann Lilli die Augenbrauen gar nicht hochziehen. Langsam steigt die Befürchtung in ihr hoch, dass sie gerade in einem Film mitspielt, in dem es allen ausser der Hauptdarstellerin klar ist, dass sie sich sowas nicht gefallen lassen sollte. Aber keiner ruft "Cut". Stattdessen geht Lilli runter in die Küche und macht Abendbrot.

Montag, 17. Januar 2011

Seite an Seite

Monsieur hat ein neues Leben angefangen. Er hat tatsächlich gekündigt und wird nun ausprobieren, wie ihm die berufliche Selbständigkeit schmeckt. Ob das sein Stressniveau herabsetzen wird? Ihn glücklich machen wird? Die ganze Familie in den finanziellen Ruin stürzen wird? Nun, das steht wohl alles in den Sternen, aber Lilli surft auf einer Welle der Zuversichtlichkeit, die sich gnädig, wenn auch aus völlig unersichtlichen Gründen, an Silvester auf sie herabgesenkt hat. Eine Tür ist zugeschlagen worden, andere Türen werden sich auftun...

Erstes Anzeichen dieses neuen Lebens: Monsieur war heute mit Lilli in der Hausfrauengymnastik. Ein mutiger Mann! Als er schweissüberströmt neben Lilli zusammenbricht, während Lilli mit zitternden Armen noch drei weitere Liegestütze aus sich herauswürgt, will sie nicht lachen, tut es aber doch. Das Jahr 2011 lässt sich gut an, findet sie.

Montag, 16. November 2009

Das Schöne am Arbeiten

Das Schöne am Arbeiten ist, dass man Klamotten braucht. Als Freelancer braucht man ja nie Klamotten, da man nicht aus dem Haus kommt und es sich nicht lohnt, sich nur für einen Sprung in den Supermarkt die Jeans aus- und einen Rock anzuziehen. Auch in Gegenwart von Kindern lohnt es sich nicht, irgendetwas Hübsches anzuziehen, da es nicht lange hübsch bleibt oder aber beim Legospielen verdammt unpraktisch ist, das Hübsche. Wer aber 8 Stunden in einem Büro sitzt und dabei von 5 Mitarbeitern und potentiell unendlich vielen Besuchern aus dem dritten Stock gesehen wird, muss auch durch sein Äußeres zeigen, dass er – zumindest, wenn er in Marketing-Berufen tätig ist – nicht nur über Geschehnisse und Theorien, sondern auch über Tendenzen auf dem Laufenden ist. Lilli weiß gar nicht, warum sie sich überhaupt rechtfertigt, aber es scheint sie zu beruhigen, dem Geständnis, nun gleich zweimal in einer Woche in verschiedenen Bekleidungshäusern zugeschlagen zu haben, eben diese Rechtfertigung vorauszuschicken. Nach sieben Jahren Freelancertum und drei Jahren Schwangerschaft hat sie sich nun endlich mal wieder ein paar schicke Röcke und Tops geleistet und lächelt so befriedigt wie die fette orangene Katze, deren Comics der kleine Strolch gerade verschlingt, nach dem Genuss einer Lasagne.

Montag, 21. September 2009

1x1 für Freelancer - die grosse weite Welt da draussen

Je länger man im Komfort der eigenen vier Wände arbeitet und dieses genießt, um so schwieriger scheint es, den Schritt nach draußen in die Welt zu wagen, wo man mit unvorhersehbaren Menschen und Problemen IN ECHTZEIT konfrontiert wird, anstatt sie durch E-Mail erst einmal filtern zu können. Auf dem Weg zur neuen Arbeit jedenfalls kommt es Lilli auf einmal so vor, als sei ihre Wohnung so ziemlich der gemütlichste Ort, den sie sich vorstellen kann, und wünscht sich – zu einer embryonalen Rolle eingerollt – zurück unter ihren Schreibtisch. Trotzdem geht sie mit ihrem schick angezogenen Körper in richtigen Schuhen brav zum Bahnhof und reiht sich in die dort Wartenden ein, die allesamt zwar auch nicht breitschultriger aussehen als sie, anscheinend aber dem kommenden Tag gelassen genug entgegensehen, um nicht mit hektischen roten Flecken im Gesicht wilde Tänze aufzuführen oder mit den Fäusten auf den Boden zu trommeln und „Nein, ich will nicht“ zu schreien. Lilli hofft, irgendwann einmal auch so weit zu sein. Im Moment aber drückt sie sich die Fingernägel in die Handflächen, bis dort je vier kleine Halbmonde zu sehen sind.

Montag, 7. September 2009

Grün ist die Hoffnung

Lilli schlottert innerlich vor Angst. Morgen hat sie ihren ersten Arbeitstag bei der Stelle, für die sie sich kurz vor ihrer Abreise im Juni vorstellen musste. Sie ist heilfroh, den Job bekommen zu haben, der nicht nur interessante Aufgaben verspricht, sondern auch auf – man höre und staune – zwei Tage pro Woche angelegt ist. Lilli kommt sich vor wie der einzige Mensch auf der Welt, der in der Lage sein wird, ein echtes Gleichgewicht zwischen Beruf und Familie zustande zu bringen – die sogenannte „work life balance“, über die sie schon viel übersetzt, die sie aber noch selten im richtigen Leben angetroffen hat. Alle ihre Freundinnen beglückwünschen sie dafür, manche sind auch richtig neidisch auf sie. Jetzt hat sie nur ein Problem: kann man sich am ersten Arbeitstag mit grünlackierten Fußnägeln sehen lassen oder sollte sie lieber doch auf etwas Dezenteres umsteigen? Perlweiß vielleicht? Wenn man so lange vom Arbeitsmarkt weg war, findet man sich in solchen Fragen doch etwas eingerostet…

Freitag, 5. Juni 2009

Der Über-Tarif

Auf einem Portal, das Übersetzer und Auftragsgeber zusammenführen will, schreibt einer einen Auftrag über 300 Wörter aus, für den er genau 2 Dollar bietet.

Das ist nicht das Erstaunliche. Das Erstaunliche ist, dass er noch am gleichen Tag 42 Bewerbungen erhalten hat....

Aber Lilli hat beschlossen, sich an diesem schönen Freitagabend nicht davon die Laune verderben zu lassen. Dass man mit Übersetzen nicht reich wird, hat sie schon beinahe so geahnt.

Mittwoch, 27. Mai 2009

1x1 für Freelancer - Flautenmanagement

Die Auftragsflaute dauert immer genau so lang, bis der nächste Auftrag ins Haus geflattert kommt. Zeitgleich damit kommt auch die Erinnerung zurück, dass man eigentlich seinen Job ganz gut macht und eventuelle Durststrecken nicht unbedingt mit dem eigenen Talent zu tun haben.

Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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