Zeitmanagement

Mittwoch, 4. November 2009

Lilli und die Fische

Seit der grosse Strolch ein Aquarium hat, gehören Fische trotz ihrer eher kalten Art zu Lillis Familie dazu. Vor kurzem hat der grosse Strolch etwas Erstaunliches über seine flossenschlagenden Zimmergenossen herausgefunden: sie sollen eine Gedächtnisspanne von 3 Sekunden haben. Drei Sekunden! Wenn man sich das mal vorstellt... worum ging es hier noch mal gerade?

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Wichtig! Dringend!

Lilli ist manchmal müde, sehr müde. Vor allem nach einem Tag im Büro, an dem sie vieles lernen musste, von dem sie dachte, es eigentlich schon zu können – wie zum Beispiel Situationen korrekt in wichtig, dringend, nicht wichtig und nicht dringend einschätzen zu können. Anscheinend machen die meisten Leute ja zuallererst, was dringend ist (egal, ob wichtig oder nicht), bevor sie zu den wichtigen (aber nicht unbedingt dringenden) Sachen durchdringen. Manche bevorzugen auch, sich zuerst mit den nicht wichtigen, nicht dringenden Angelegenheiten zu beschäftigen, und verbringen damit so viel Zeit, dass alles andere liegen bleibt. Letzten Freitag wurde Lilli mit zwei Notfällen überschüttet, die sie sowohl in wichtig wie auch in dringend einstufte und deshalb sofort emsig bearbeitete. Bis sie nach mehreren Stunden hektischen Tuns zu ihrer Chefin durchdrang, die sie darüber aufklärte, dass das Dringende ruhig noch ein paar Tage Zeit hatte und das Wichtige in ihren Augen nicht gar so weltbewegend war. Lilli schluckte daraufhin betreten und fühlte, wie die Müdigkeit über sie kam. Aber vielleicht war es auch nur die Grippe, die sie seither dazu zwingt, nur noch das Dringendste zu machen und ansonsten erschöpft irgendwo rumzuliegen.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Echt schade

Heute morgen wollte Lilli aber wirklich mal bügeln. Seit zwei Wochen schon liegt die Bettwäsche im Korb, darüber stapeln sich Hemden und unzählige bunte T-Shirts, die morgens von den Strolchen durchwühlt (und dadurch noch zerknitterter) werden, weil ihre Schubladen inzwischen leer sind. Also das Bügelbrett aufstellen, Bügeleisen mit Wasser füllen und einstecken, ein morgendliches Bügelfernsehprogramm einschalten – und nichts. Das Bügeleisen will nicht heiß werden, keinen Dampf spucken, nicht geräuschvoll Wassertröpfchen und Kalk rotzen, wie es das sonst so verlässlich tut. Es hat irgendwann zwischen Nacht und Morgen den Geist aufgegeben und vereitelt nun Lillis hausfrauliche Ambitionen. Dabei war sie wirklich fest entschlossen, das Unmenschliche nun endlich anzugehen. Und muss jetzt sehen, wie sie den Tag stattdessen rumbringt…

Dienstag, 12. Mai 2009

Ganz woanders

Lillis früherer Boss, ein kreativer Mensch, mit dem sie sich nicht gut verstand, verbrachte lange Wochen damit, Texte zu schreiben. Er war dann nicht besonders ansprechbar und begründete seine mentale Abwesenheit mit den Worten: „Je suis en écriture“ – eine etwas seltsame Formulierung, die das Schreiben mit einem Ort gleichsetzt, so wie man etwa sagt „Ich bin in Finnland“ oder „Ich bin in Hawaii“. Vor kurzem hat Lilli ein altes Projekt wieder hervorgeholt, das bei näherer Hinsicht zu weit fortgeschritten ist, um es nicht auch zu vollenden. Außerdem hat sie gerade eine Auftragsflaute Zeit, weshalb sie sich vorgenommen hat, von nun an jeden freien Nachmittag mit Schreiben zu verbringen. Und komischerweise versteht sie jetzt, was ihr damaliger Boss mit seiner Formulierung meinte. Das Schreiben ist tatsächlich ein einsames Vergnügen, oder vielmehr richtige harte Arbeit, bei der man der leeren Bildschirmseite entsetzlich allein ausgeliefert ist. Wenn das Schreiben aber fließt, versinkt die Welt um einen herum und macht Platz für ein neues Land, das man selbst erfunden hat. Erst, wenn die Strolche nach der Schule an der Tür klingeln, kommt Lilli wieder zurück an ihren Schreibtisch – mit der deutlichen Empfindung, sich tatsächlich woanders aufgehalten zu haben. Ihre Tage werden dadurch richtiggehend ereignisreich, wenn sich auch von außen betrachtet rein gar nichts zugetragen hat.

Freitag, 27. März 2009

Lillis nächstes Haus*...

..wird eine Selbstreinigungstaste haben, genau wie der Backofen. Denn heute will die Schwäbin putzen, nur Lilli will nicht.

* Das hört sich vielleicht überheblich an, aber hier sind ja die Grundstückspreise (Lillis Mutter: "...und die Bauart, die BAUART!") ganz anders als in Europa...

Dienstag, 24. März 2009

Lillis sozialer Nutzwert

Was Lilli heute noch alles vorhat:

Stiefel putzen
Bad putzen
Löcher in der Wand zuspachteln
Schuhcreme kaufen
Kochen
Einkaufen
Skihosen waschen
Reisepass beantragen
Mitfahrgelegenheit für morgen organisieren

Warum in aller Welt kommt ihr das so wert-los vor? Etwa, weil es dafür am Monatsende keinen Scheck gibt? Dass jemand „danke“ sagt, wär ja schon schön.

Dienstag, 10. März 2009

Freizeitstress, gewollter

Wie es sich gehört, muss der große Strolch nach den Ferien einen Aufsatz über sein schönstes Erlebnis schreiben. Neu daran ist, dass er sein Werk am Computer verfassen soll, was bedingt durch die von ihm angewandte Einfingertipptechnik recht lange dauert. Nun hat der große Strolch ein Problem: der Text muss am Mittwoch abgegeben werden, er aber hat am Montagabend ein Eishockeyspiel und am Dienstagabend Fußballtraining. Voller Optimismus fängt er den Text am Montag nach der Schule an, stellt ihn aber bei weitem nicht fertig. Was nun? Am Dienstag wird er nicht daran weiterarbeiten können, da er nach der Schule noch Orchester hat und anschließend sofort ins Fußball muss. Danach muss gegessen werden und dann ist der große Strolch, wen wundert es, bettreif. Lilli, pragmatisch wie immer, wenn es sich nicht um sie selbst handelt, hat einen Vorschlag parat: eine der außerschulischen Aktivitäten – Hockey, Orchester, Fußball – muss diese Woche daran glauben, wobei der große Strolch sogar aussuchen könne, welche er streichen wolle. Der Strolch kontert mit einer anderen Idee: Lilli soll eine Entschuldigung für die Schule schreiben, in der sie erklärt, dass der große Strolch die Hausaufgabe aus verständlichen und ernstzunehmenden Gründen erst am Donnerstag abliefern kann. Lilli und der große Strolch sehen sich abwartend an. Jeder ist der Meinung, dass nur sein Vorschlag der richtige ist und keinerlei Kompromiss geschlossen werden kann. Als der Blickaustausch lange genug gedauert hat und zu keinem nennenswerten Ergebnis führt, kommt dem großen Strolch noch eine Eingebung: er steht am Dienstag einfach früher auf und tippt das Ding noch vor dem Frühstück in den Kasten. Und so geschah es auch tatsächlich heute morgen. Anstatt eine Aktivität zu streichen, kommt der Schlaf unters Messer, und dabei ist der große Strolch noch nicht einmal 10. Ob er das wohl von seinem Vater abgeguckt hat?

LilliwillsofortwiederzurückindieHütte.

Montag, 9. März 2009

Le voyage est toujours une halte dans la course

So hieß es jedenfalls in einem Theaterstück, das Lilli und Monsieur vor Jahren einmal gesehen haben. Wer auf eine Reise geht, hält den Lauf seines Lebens eine Zeitlang an – keine schön gefeilte Übersetzung, eher ein Rohling, der dennoch ausdrückt, worauf Lilli an diesem trüben Montagmorgen hinauswill: LilliwillzurückindieHütteundzwarsofort. Zurück zu den Bergen, die so still und unbewohnt dastehen, ohne sich einen Dreck um die kleinen Menschlein zu scheren, die auf ihnen spazieren gehen und sich dabei mit allerlei existentiellen Fragen herumschlagen. Zurück zu den zwei schwarzen Hunden, die sofort so zutraulich waren, dass sie einen in die Kniekehle stupsten, wenn man mal innehielt, um die glitzernde Schneelandschaft tief in die Lungen zu saugen. Und zurück zu den Tagen, die so ganz ohne Zeitdruck und Terminkalender dahinglitten und in deren Verlauf Lilli kein einziges Mal „Beeil dich“ sagen muss, weder zu den Strolchen noch zu sich selbst.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Wenn jede Sekunde zählt

Ein Tipp für berufstätige Mütter: wer sich beim Frühstückmachen dicht genug über den Toaster beugt, spart später wertvolle Minuten beim Haare fönen.

Donnerstag, 8. Januar 2009

Lilli will aussteigen

Irgendjemand muss, als er den Schalter von 2008 auf 2009 umgelegt hat, aus Versehen auf das Gaspedal gestiegen sein, denn plötzlich geht hier alles viel schneller als sonst. Hui, Lilli fliegt das Leben nur so um die Ohren, mit einem Affenzacken rattern die Tage hintereinander weg, dass es nur so pfeift. Lilli an Schicksal: Anhalten, ich will aussteigen, sonst wird mir noch schlecht von dem vielen Auf und Ab.

Über Lilli

In Süddeutschland geboren und aufgewachsen, nach dem Studium nach Kanada ausgewandert, lebt und liebt Lilli seit zehn Jahren in einem Vorort von Montréal. Sie verdient ihr Brot mit Übersetzungen, die Butter dazu mit Texten aus ihrer Feder und die volle Anerkennung ihres Mannes dafür, zwei Strolche fast immer liebevoll auf ihrem Werdegang zu begleiten.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Status

Online seit 557 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 6. Nov, 01:31

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this topic

twoday.net AGB


Laufen
Lillis Positiv-Pakt
Mitmenschen
Reise in den Abgrund
Selbständig arbeiten
Strolche
Zeitmanagement
Zonstiges
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
Blog Top Liste - by TopBlogs.de Blog Verzeichnis Bloggeramt.de