Zeitmanagement

Donnerstag, 5. Januar 2017

Prioritätenverschiebung

Kaum ist Lilli von ein paar Tagen Skiurlaub zurück, geht die Planung für die nächsten Monate wie ein Bombenanschlag auf sie nieder. Sie will nach Deutschland, um den Vater in seinem Heim für Demenzkranke zu besuchen. Am besten um den Geburtstag der Mutter rum, im Mai, um die Mutter bei der Gelegenheit mit in einen Kurzurlaub zu nehmen - von Deutschland aus ist ja alles so nah, und Lilli war noch nie auf Mallorca und all den anderen spanischen Inseln vor der Küste Afrikas. Die Schwester aber feiert ihre Silberhochzeit im April und meint, Lilli könne doch statt im Mai schon im April kommen. Das passt aber Lilli gar nicht - weder von der Arbeit im Büro her, wo es im März/April hoch hergeht, noch von der Steuererklärung her. Ausserdem läuft ihr Pass im Mai ab und die früheste Gelegenheit, diesen erneuern zu lassen - was eine Reise nach Toronto erfordert - ist Ende Februar. Wenn sie also Ende Februar einen neuen Pass beantragt, ist der im April womöglich noch nicht da. Das Konsulat meint zwar, nach Deutschland käme Lilli auch mit einem fast abgelaufenen Pass, aber ob sie damit in Europa so problemlos fliegen kann???

Dann also lieber der Schwester vor den Kopf stossen und nicht zur Silberhochzeit kommen. Den Pass Ende Februar beantragen und ihn im Schnellverfahren problemlos vor der Reise im Mai bekommen.

Als Lilli heute morgen so weit war, ruft ihre Mutter sie an, was absolut NIE passiert. Der Vater hat Lungenentzündung und womöglich Nierenversagen und liegt seit gestern im Krankenhaus. Es kann also gut sein, dass Lilli schon morgen nach Deutschland fliegt... je nachdem, wie der Vater die Nacht übersteht. Die Plänë für April und Mai sind auf einmal gar nicht mehr so wichtig.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Allheilmittel Ablenkung

Kurzerhand hat sich Lilli für einen Tai-Chi-Kurs angemeldet. Nach einem hässlichen Streit mit Monsieur, der ihr unproportionell lange zu schaffen macht, braucht sie jetzt was Eigenes. Ausserdem muss das allabendliche Fernsehen, das sich mit der frühen Dunkelheit eingeschlichen hat, aufhören. Ab Januar wird sie also innerliche Ruhe und Körper-Geist-Verbundenheit oder was auch immer üben. Besser schlafen soll man danach anscheinend auch...

Samstag, 19. November 2016

Ab morgen wird es wüst

Deshalb: heute noch ein letzter extralanger Spaziergang bis an den Sankt-Lorenz-Strom. Bald wird er unter einer Eisschicht verschwinden...

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Sonntag, 2. Oktober 2016

Lebensabschnitt

Wenn man beim Computer nach dem Zoom sucht und, nachdem man ihn trotz Brille augenkneifend auf 125 % gestellt hat, erleichtert aufatmet - dann beginnt das Altwerden.

Mittwoch, 1. Juni 2016

Weniger ist Meer

Die Urlaubsplanung mit Monsieur ist schwierig. Er will nicht so sehr lange wegfahren, für Lilli dagegen fängt es erst an, Urlaub zu heissen, wenn es mindestens zwei Wochen sind. Bei ihm fängt es an zu kribbeln, wenn die Abwesenheit vom Schreibtisch länger als eine Woche dauert. Da macht die Entspannung einer gewissen Unruhe Platz, die zunehmend grösser wird, je länger die Trennung von der Arbeitsstelle hinausgezögert wird. Der Durchschnittskanadier hat auch nur wenig Urlaub, zwei Wochen nach dem ersten Arbeitsjahr und wenn er Glück hat, eine zusätzliche Woche nach fünf Jahren. Lilli hat Glück und diesen Sommer drei Wochen Urlaub. Das ist schon mal das erste Problem.

Das zweite besteht aus der Autofahrt. Die kann Monsieur lange aushalten, wenn es sein muss. "Fahren wir doch auf die Magdaleneninseln, da wollte ich schon immer mal hin", sagt er so, als es um Urlaubsziele geht. 1200 km Fahrt von Montréal nach Souris auf der Prinz-Edward-Insel, danach mit dem Schiff 5 Stunden lang übersetzen auf die winzige Inselgruppe der Magdalenen, die zugegeben mit ihren Stränden und Klippen wildromantisch aussieht. Diese 12 Stunden würde Monsieur in einem Rutsch durchfahren, vielleicht ab und an mal zum Pinkeln halten, aus anderen Gründen nicht. Bei dem Gedanken an 12 Stunden Autofahrt am Stück will Lilli sterben und schlägt deshalb vor, die Strecke zu stückeln, vielleicht zweimal unterwegs zu übernachten und dabei die Schönheit von New-Brunswick erkunden, wenn man schon mal in der Gegend ist. Was wiederum die Dauer des Urlaubs in die Länge ziehen würde - siehe Problem eins.

Deshalb hat Lilli heute einen Flug gebucht, wodurch sich die im Transportmittel gesessene Zeit von 12 auf zweieinhalb reduziert. Die 5 Stunden Überfahrt auf dem Schiff kommen trotzdem noch dazu, aber, hey, auf einem Schiff, das ist schliesslich kein Vergleich.

Herrlich. Aber teuer. Aber kurz. Also hat doch Monsieur gewonnen, so man denn die eheliche Urlaubsplanung als einen Kampf ansehen will. Vielleicht sollte sich Lilli mit dem Gedanken anfreunden, nach dem Urlaub mit Monsieur noch allein in einen Zweiturlaub zu starten. Damit sie ihre drei Wochen voll auskosten kann und sich im Vergleich zu all den Deutschen nicht gar zu jämmerlich vorkommt.

Dienstag, 5. Januar 2016

Weihnachten fand nicht wirklich statt dieses Jahr

Weihnachten? Weihnachten war dieses Mal ein Nicht-Event oder so eins, das wie ein nasser Knaller nur leicht röchelnd am Boden entlangzieht, ohne je so richtig abzuheben. Am 24. spürte Lilli abends im Hals so ein Kratzen, das sich prompt am nächsten Tag zu einem ausgewachsenen Schnupfen hochschaukelte. Schnupfen, Kopfweh und - wahrscheinlich durch die Schmerztabletten ausgelöst - Übelkeit, die genau bis zum 2. Januar anhielt. Demnach hat Lilli dieses Jahr nicht wirklich gefeiert, nicht wirklich getrunken, nicht geschlemmt, und beim Skifahren zwischen den Feiertagen war sie auch nicht richtig Skifahren.

Das neue Jahr kam trotzdem wirklich und heute sass Lilli schon wieder im Büro.

Sie fühlt sich wirklich hintergangen.

Mittwoch, 11. November 2015

Zeit-Vertreib

Eigentlich weiss man das alles ja, was man bei so einer Fortbildung zum Thema Zeitmanagement gesagt bekommt: planen, Prioritäten setzen, Unvorhergesehenes einplanen, Unterbrechungen ausschalten, Rollen klar verteilen, delegieren, usw. Eine Analogie fand Lilli dann aber doch neu und treffend (auch wenn sie ein bisschen hinkt, wie das Analogien oft an sich haben):

Stellen Sie sich vor, Sie bekämen jeden Morgen 32400 Dollar zugeteilt. Was würden Sie damit machen, wenn Sie wüssten, dass am Abend das Geld, das nicht ausgegeben ist, verfällt? Und am nächsten Tag das gleiche wieder von vorne anfängt?

Als Lilli den Strolchen die Frage stellte, war der Reflex des grossen Strolches, das Geld auf die Bank zu bringen. "Nein, geht nicht", sagt Lilli. Man kann es nicht ansammeln, nur jeden Tag ausgeben. Da wussten sie nicht so recht weiter - der kleine Strolch würde ein Auto kaufen und eine PS4, danach hatte er keine Wünsche mehr offen.

Die vom Fortbildungsleiter gewünschte Antwort war, dass man sich gut überlegen würde, wie man das Geld ausgibt und es dann auch bis zum letzten Dollar verbraucht, damit es nicht einfach so verfällt. "Und jetzt stellen Sie sich vor, sie bekommen nicht 32400 Dollar, sondern 32400 Sekunden jeden Morgen. Das entspricht der freien Zeit neben Arbeit und Schlafen, die Ihnen jeden Tag zur Verfügung steht. Wie gehen Sie damit um?"

Ja, wie geht Lilli damit um? Sie denkt an all die Abende, die sie systematisch vor dem Fernseher verbringt, an all die "nicht ausgegebenen" Sekunden, die sie verstreichen lässt, ohne sie sinnvoll zu investieren. Das heisst nicht, dass Fernsehen generell sinnlos ist. Wenn sie mit den Strolchen auf dem Sofa kuschelt und gemeinsam eine fesselnde, unterhaltsame Serie sieht, ist das gut investierte Zeit mit viel Spass- und Zusammengehörigkeitsfaktor. Wenn sie aber automatisch zur Fernbedienung greift, ohne sich zu überlegen, ob sie nicht eigentlich lieber malen oder lesen oder stricken würde, und irgendeine Schrottsendung an sich vorbeiziehen lässt, bis es Zeit für die Nachrichten ist... ja, dann ist das grobe Verschwendung.

Mit Geld geht sie jedenfalls nicht so um.

Montag, 5. Oktober 2015

Oktober auf dem Fahrrad

Morgens auf dem Radweg wird es einsam. Die allzu kälteempfindlichen Menschen haben sich für Oktober eine Monatskarte gekauft und ihr Rad in den Keller gestellt. Die anderen sehen zwar zum Brüllen komisch aus mit ihren Mützen unter den Helmen, den Strumpfhosen, Stulpen und Handschuhen, aber sie nicken sich jetzt, wenn sie einander begegnen oder überholen, hochachtungsvoll zu. Die wahren Helden, die sind jetzt unter sich.

Mittwoch, 30. September 2015

Kleines Wunder

Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, muss manchmal um die Ecke denken. Gestern zum Beispiel fuhr Lilli nicht in ihr Büro, das mit einer Dusche ausgestattet ist und dem Radler die Möglichkeit bietet, frisch gewaschen und geföhnt (wer das für nötig hält) am Arbeitsplatz zu erscheinen. sondern in eine Zweigstelle, die solche Annehmlichkeiten nicht bietet. Lilli ging davon aus, sich dort ein stilles Örtchen zu suchen, um eine kurze Katzenwäsche vorzunehmen - doch die Zweigstelle war noch geschlossen, es gab keine Klingel und Telefonnummer hatte Lilli auch nicht dabei. Ein Spaziergang durch die Nachbarschaft liess Lilli feststellen, dass es sich in diesem Viertel von Montréal um eine eher vernachlässigte Wohngegend handelte, ohne Kaffees, Restaurants oder Supermärkte - "un désert alimentaire", eine Lebensmittelwüste, wie man hier sagt. Dann aber fand Lilli ein Gebäude, dessen Türen weit offenstanden, wo Menschen schon geschäftig zugange waren, das Lilli herzlich aufnahm und ein winziges, aber sauberes und frisch renoviertes Klo zu bieten hatte - die polnische Kirche der Dreieinigkeit. Eine Viertelstunde später hatte Lillis sich aufgemöbelt und trat, ganz im Sinne der katholischen Kirche "wie verwandelt" wieder ans Tageslicht.

Freitag, 25. September 2015

Mit neuen Vorsätzen frisch ins Wochenende

Lilli googelt "Falafelrezept". Oh, Kichererbsen. Und 24 Stunden einweichen soll man sie auch noch. Zum Libanesen um die Ecke sind es dagegen nur fünf Minuten...

Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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