Dienstag, 20. Mai 2008

Lilli hat ein Schlüsselerlebnis

Ein nicht zu unterschätzendes Problem beim Laufen ist die Unterbringung des Hausschlüssels. Denn nicht alle Sportklamottenfabrikanten haben erkannt, dass Hosen und Oberteile nicht nur elastisch, formschön und atmungsaktiv, sondern möglichst auch mit so etwas Praktischem wie einer Tasche ausgestattet sein sollten. Verfügt man über keine Tasche, hat man drei Möglichkeiten:

1. Man läuft mit dem Schlüsselbund in der Hand - ganz, ganz schlecht, denn man glaubt gar nicht, wie sehr man sich dadurch verkrampft. Von dem unangenehmen Metallgeruch, der noch Stunden danach an der Handfläche kleben bleibt und beim Tippen stört, mal ganz zu schweigen.

2. Man löst den Schlüssel aus dem Schlüsselbund und steckt ihn seitlich in die Unterhose oder den Strumpf - also ehrlich, beides wurde bereits ausprobiert und als unpraktisch abgetan. Man glaubt gar nicht, wie sehr so ein Schlüssel beim Laufen hin und herrutscht.

3. Man steckt den Schlüssel mithilfe einer Sicherheitsnadel an die Hose - keine schlechte Lösung, wenn auch äußerst unelegant. Kann außerdem feine Stoffe auf die Dauer zerlöchern, was sich bei den Preisen eigentlich keiner leisten kann.

Deshalb, liebe Sportklamottenhersteller: her mit den High-Tech-Stoffen, die so funktionell sind, dass ein Astronaut sie bedenkenlos ins All anziehen könnte. Her mit den Klimamembranen, den hitzeleitenden Tapes im Nackenbereich und den Kraftbändern aus thermosplastischem Urethan. Aber bedenkt bitte bei der Erstellung eurer dreidimensionalen Körperzonendiagramme, nicht nur die Stellen des menschlichen Körpers zu identifizieren, an denen am meisten Schweiß produziert wird, sondern auch diejenigen, an denen man eine kleine Tasche mit Reißverschluss platzieren könnte. Jawoll, für den leidigen Hausschlüssel. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr dieses kleine Element die Performance steigern kann.

Frühlingsgemüse

Was in Montréal nach ein paar schönen Frühlingstagen im April aus dem Boden schießt (Eintrag vom 24. April):

- kleine blaue Blümchen
- kleine weiße Blümchen
- jede Menge Tulpen
- Basketballkörbe an langen Stangen, deren Basis mit Sand oder Wasser gefüllt in die Garageneinfahrt gerollt wird, damit sich auch weiße Jungs im Hüpfen üben können
- kleine Fähnchen mit dem Logo der Montrealer Eishockeymannschaft, weil sie's mal wieder in die Ausscheidungsspiele des Stanley Cups geschafft haben. Die Fähnchen werden von den Fans zur Steigerung des Selbstwertgefühls am Seitenfenster des Autos befestigt, manche Autos fahren sogar mit Fähnchen rechts und links durch die Gegend. Am 21. April hat "le Canadien de Montréal" (so heißt die Mannschaft, die verwirrenderweise auch noch "tricolore" und "Habs" genannt wird) Boston besiegt und dadurch die zweite Runde erreicht (sehr viel weiter sind sie dieses Jahr dann aber nicht mehr gekommen). Nur 16 Polizeiautos wurden im Anschluss an das Spiel in der Montrealer Innenstadt zertrümmert und in Brand gesteckt, Hut ab.
- 14jährige Mädels in Spaghettiträgershirts auf eckigen Schultern
- 6jährige Mädelchen in Spaghettiträgershirts auf runden Schultern. Eines davon mag ich besonders gern. Sie heißt Emma und hat blonde Korkenzieherlocken, die ihr manchmal ungelogen waagrecht vom Kopf abstehen. Ihre Mutter wird manchmal gefragt, ob Emma Dauerwellen hat, was diese augenrollend verneint. Emma hat eine große Schwester in der dritten Klasse und einen kleinen Bruder, der über die coolste Hutsammlung verfügt, die ein Kleinkind haben kann. Außerdem hat Emma Mukoviszidose und eine Lebenserwartung von vielleicht 40 Jahren. Sie wohnt zwei Straßenecken von uns entfernt und fährt, seit das Wetter so schön ist, jeden Tag mit ihrem rosa Fahrrad an unserem Wohnzimmerfenster vorbei in die Schule. Ich wünsche Dir einen schönen Frühling, Emma.

Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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Zuletzt aktualisiert: 23. Mai, 03:27

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