Montag, 16. Juni 2008

35 Stiche und noch ein Stich

Um die ganze traurige Geschichte kurz zu fassen: am gestrigen kanadischen Vatertag musste Monsieur arbeiten, wie auch schon an Weihnachten, den darauffolgenden drei Tagen Skiurlaub und fast jedem Wochenende seither. Lilli beschloss daraufhin, den Strolchen ein guter Vater zu sein, und ging mit ihnen Baseballspielen:

Baseball ist, milde ausgedrückt, nicht mein Lieblingssport, denn Baseball mit den Strolchen sieht so aus, dass man lange, lange mit dem Handschuh in der Hand rumsteht, während einer der Strolche versucht, den Ball mit dem Louisville-Slugger zu treffen. Trifft er ihn dann endlich, steigt er so hoch und weit, dass keiner der Lange-Rumstehenden ihn fangen kann. Man rennt also dem Ball hinterher, wirft ihn einem der beiden Strolche zu, und nach kurzen Diskussionen, wer denn nun dran sei mit Schlagen, geht das Ganze von vorne los. Die Strolche aber hatten ihren Spaß daran, und nachdem genug geschlagen und gerannt worden war, schlug ich vor, noch eine Weile im Wald spazieren zu gehen. Das wiederum fanden die Strolche nicht so erbaulich, aber irgendwie hatten sie wohl verstanden, dass hier eine Hand die andere wäscht, und gingen mit. Natürlich ist nun so ein kanadischer Wald nicht mit dem baden-württembergischen gepflegten Mischwald meiner Jugend zu vergleichen: erstens verfügt er, wenn überhaupt, nur über dürftig ausgeschilderte, eher durch Zufall entstandene Wege, zweitens sind diese keinesfalls gewartet oder auch nur intelligent angelegt und deshalb meistens völlig vermatscht und mit Wolken von hungrigen Schnaken ausgestattet. Natürlich weiß ich das eigentlich, und trotzdem falle ich immer wieder auf die Verlockung rein, im kühlen Grün lustwandeln zu wollen. Und natürlich führte der von uns gewählte Pfad nur allzu bald in ein Schlammloch, aus dem wir nur seelisch angeschlagen und mit insgesamt 35 Schnakenstichen wieder an die Erdoberfläche zurückkamen. Was aber lag direkt vor uns, als wir endlich aus dem Wald auf die grüne Wiese taumelten? Ein kleiner See, an dem Dutzende von Vätern mit ihren Kindern saßen und angelten.

Also die Vatertagsidylle schlechthin, und die gab mir dann den letzten Stich, der auch heute noch am meisten kratzt und juckt und beißt.

Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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Zuletzt aktualisiert: 23. Mai, 03:27

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