Montag, 18. August 2008

Immer schön ganzheitlich

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, wie man spätestens seit diesem Südstaatenfilm mit John Cusack weiß, wenn man schon nicht den kleinen Prinzen gelesen hat. Zudem wird Lilli diesen Monat von einer Zeitschrift, zu der sie sich nicht öffentlich bekennen möchte, dazu aufgefordert, vom Sehen (der eigenen körperlichen Mängel) zum Erkennen (der wahren inneren Schönheit) zu gelangen, indem sie die linke rationale Gehirnhälfte zugunsten der rechten gefühlsbetonten Gehirnhälfte ausschaltet. Und da Lilli im Moment großzügig aufgelegt ist, hat sie gleich diesen Morgen beim Laufen mit der ersten Übung angefangen, die darin besteht, seine Antennen auszufahren und bewusst mit allen Sinnen durch die Welt zu gehen.

Schwüle Hitze, Gewitter liegt in der Luft. Laufen, laufen, an der ersten Kreuzung Autos vorbeilassen. Ding, ding, tschu, tschu, da fährt der Zug in die Innenstadt. Gelbe Löwenzahnblüten, blauer Lavendel vor weißer Hauswand. Risse und Löcher im Gehweg, das kommt von der Kälte im Januar, Asphalt hält so viel Kälte einfach nicht aus. Ratteratteratter, ein Großmütterchen fährt auf dem Fahrrad an mir vorbei. Eisdiele, Schmuckgeschäft, die Bronzeskulptur einer Mutter mit Kind, der man so gern über den Kopf streicheln würde. Weiter zur Eishalle, die Plakate „Touchez pas à mon parc“ mit diesem nervenden Grammatikfehler. Dann riecht es nach Keksen, heute die Haferflockenkekse mit Apfel, eine Keksfabrik ist immer noch besser als eine Lackfabrik oder ein Gummireifenhersteller. Schweiß, Durst, Hunger, Schmerz. Schon wieder ein Polizeiauto, immer an diesem Eck, und nie sitzt jemand drin. Mit den Armen Kreise in die Luft schreiben, denn die kommen sonst zu kurz, die Arme, und es gibt nichts Hässlicheres als knitterige Oberarme. Durst. Heimkommen. Olympiamusik, die Strolche sitzen vor dem Fernseher, Monsieur schläft. Duschen. Pflatsch, pflatsch, pflatsch. Aaaahhhh.

Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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Zuletzt aktualisiert: 23. Mai, 03:27

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