Negativwerbung klappt nie
Lilli ist zurzeit empfindlich. Was nicht nur daran liegt, dass sie einer Auftragsflaute entgegensieht, aber auch. Sie reagiert empfindlich darauf, dass sie weniger arbeitet als andere ihrer Mitmenschen, die hechelnd durch den Tag hasten, ohne auch nur die Hälfte ihrer ToDo-Liste abarbeiten zu können. Denn wer gemächlicher lebt, ist kein vollwertiger Mensch, und ihm steht es demnach auch nicht zu, ein Theaterabonnement UND eine Mitgliedschaft im Fitnessclub zu besitzen – denkt Lilli manchmal, oder vielmehr: denkt die Gesellschaft, denkt Lilli. Dazu ist es Herbst – Sie wissen schon, das „Wer jetzt kein Haus hat“-Syndrom – und überhaupt.
Jetzt also die Werbung eines großen Kaufhauses, die doch tatsächlich die Frechheit hat, zu fragen, was man denn so macht, um sein Leben kunstvoll zu gestalten. „What do you do to live your life… (kleine Pause)… artfully?“ Im Spot werden tolle Leute gezeigt, die sich toll anziehen, tolle Dinge tun und ihre Wohnung toll einrichten. Na, toll. Wer erklärt den Werbeleuten mal, dass Werbung, durch die man sich klein und hässlich (um nicht zu sagen beschissen) fühlt, keine große Kauflust auslöst? Ich jedenfalls ziehe mir jetzt den grossen Minderwertigkeitskomplex-Pulli über und schmolle.
Jetzt also die Werbung eines großen Kaufhauses, die doch tatsächlich die Frechheit hat, zu fragen, was man denn so macht, um sein Leben kunstvoll zu gestalten. „What do you do to live your life… (kleine Pause)… artfully?“ Im Spot werden tolle Leute gezeigt, die sich toll anziehen, tolle Dinge tun und ihre Wohnung toll einrichten. Na, toll. Wer erklärt den Werbeleuten mal, dass Werbung, durch die man sich klein und hässlich (um nicht zu sagen beschissen) fühlt, keine große Kauflust auslöst? Ich jedenfalls ziehe mir jetzt den grossen Minderwertigkeitskomplex-Pulli über und schmolle.
Lilli legt los - 11. Sep, 09:25