Kleine Osterhasen-Soziologie
Die eine Schwägerin schenkt zu Ostern große kitschige Tierformen aus billiger Milchschokolade, die andere Schwägerin fast genauso große Dinger aus teurer dunkler Schokolade – man fragt sich, ob die Beiden wirklich im gleichen Haushalt groß geworden sind. Lilli, zielgerichtet wie immer, schenkt Schokoladeneier, da man die schön einfach in den Mund stecken kann, ohne vorher ein Tier kaputtschlagen zu müssen. Monsieur schenkt Lindthasen mit Glöckchen dran, die viel zu goldig sind, als dass man sie essen möchte (obwohl man sie essen möchte!) und outet sich dadurch als ein Mensch mit einem großen Liebes- und Zuwendungsbedürfnis. Die Schwiegermutter, die Entscheidungen scheut, schenkt eine gefüllte Pralinenmischung in der Hoffnung, dass Lilli schon irgendetwas davon schmecken wird. Und Lillis eigene Mutter schenkt Geld, da die Osterhasen aus Deutschland doch meistens in Stücke zerbrochen angekommen sind und Lilli lieber etwas anderes kaufen soll, was den Strolchen Freude macht. Jetzt, vier Tage nach Ostern, kann Lilli folgende Schlüsse ziehen: dunkle Tiere haben eine kürzere Lebensdauer als helle, Eier lösen sich, sobald man ihnen den Rücken zudreht, in Luft auf, und Pralinen schimmeln wohl eher, als dass einer auch nur die in Geschenkpapier eingewickelte Schachtel aufmachen wollte. Die Lindthasen? Sind inzwischen mit Namen versehen worden, dürfen mit fernsehen und schlagen mit dem Glöckchen Alarm, sobald eine Kinderhand versucht, sich ihnen zu nähern. Und das deutsche Ostergeld? Ist wohl gestern irgendwie in den Supermarkteinkauf reingerutscht, sorry. Aber Lilli nimmt sich vor, neue Badehosen für die Strolche zu kaufen und diese als „Ostergeschenk von Oma“ zu deklarieren. Dann ist aber bestimmt schon Mai und Ostern längst ganz und gar verg-essen.
Lilli legt los - 16. Apr, 10:23