Lilli träumt von Deutschland
Seit Lilli weiß, dass sie im Sommer nach Deutschland fliegt, träumt sie irres Zeug. Man kann noch so lang von dem Ort, an dem man aufgewachsen ist, und von den Menschen, die einen geprägt haben, fort sein, man trägt sie doch mit sich herum und verbindet innigste Gefühle mit ihnen. Letzte Nacht zum Beispiel träumte Lilli, dass sie mit ihren Eltern eine Stadtbesichtigung macht und wie wild fotografiert. Kirchtürme, Häuserfassaden, Springbrunnen… aber als sie versucht, ihre Eltern abzulichten, streikt ihre Kamera. Panisch drückt sie auf die Knöpfe, schüttelt den Apparat, wischt die Linse sauber – ohne Erfolg. Es gelingt ihr nicht, auch nur ein einziges Bild ihrer Eltern in den Kasten zu bekommen.
Natürlich ist sonnenklar, was dieser Traum bedeutet. Lillis Eltern sind 75 und ziemlich gesund, aber Lilli befürchtet trotzdem insgeheim, sie bald nie wieder besuchen zu können. Und es ist diese Möglichkeit, sie zu besuchen, die so beruhigend ist, wenn Lilli davon auch nur etwa alle zwei Jahre Gebrauch macht. Allein der Gedanke: "Wenn ich wollte, könnte ich gleich morgen..." ist tröstlich. Irgendwann einmal wird Deutschland aber kein Urlaubsziel mehr sein, weil keine Eltern mehr zu besuchen sein werden. Kein Umarmen mehr, nirgends. Lillis Unterbewusstsein hat jetzt schon Angst davor.
Natürlich ist sonnenklar, was dieser Traum bedeutet. Lillis Eltern sind 75 und ziemlich gesund, aber Lilli befürchtet trotzdem insgeheim, sie bald nie wieder besuchen zu können. Und es ist diese Möglichkeit, sie zu besuchen, die so beruhigend ist, wenn Lilli davon auch nur etwa alle zwei Jahre Gebrauch macht. Allein der Gedanke: "Wenn ich wollte, könnte ich gleich morgen..." ist tröstlich. Irgendwann einmal wird Deutschland aber kein Urlaubsziel mehr sein, weil keine Eltern mehr zu besuchen sein werden. Kein Umarmen mehr, nirgends. Lillis Unterbewusstsein hat jetzt schon Angst davor.
Lilli legt los - 13. Mai, 08:48