Montag, 11. Januar 2010

Was ist so schlimm an Perlenketten, fragt Muellerto

Es gibt Sendungen und Zeitschriften, in denen es hauptsächlich darum geht, wie man auf einen Rutsch 10 Jahre jünger aussehen kann: je nach Höhe der einzubringenden Investition wird da vorgeschlagen, aufrechter zu gehen, den Pferdeschwanz höher zu tragen oder aber Nase, Stirn, Mund und warum nicht auch noch die Ohren von einem fingerfertigen Chirurg neu drapieren zu lassen. Da werden Zähne gebleicht und zurechtgerückt, Haare gesträhnt, Augenbrauen gezupft, Garderoben neu gestylt und Absätze um Zentimeter erhöht. Alle wollen in die gleiche Richtung – vom Alter zurück in die Jugend, weil Jugend schön ist und Alter unerwünscht. Wer aber, aus welchen schwer vorzustellenden Gründen auch immer, gerne 10 Jahre älter und so bieder wie ein Waffeleisen aussehen möchte, braucht nur zu einer Geheimwaffe zu greifen: der klassisch aufgereihten Perlenkette, gerne auch mit passenden Ohrsteckern. Wer so was anhat, womöglich noch mit Halstuch im Blusenausschnitt, signalisiert, dass er kein weiteres Interesse an körperlichen Vergnügungen hat oder diese ohne zu zögern gegen ein gepflegtes Essen in einem Viersternelokal eintauschen würde. Dass er keinen Spaß versteht, weil sein Augen-Makeup verläuft, wenn er zu viel lacht, und zudem viel zu sehr damit beschäftigt ist, die Mitmenschen zu beeindrucken, um auf Komisches, Spontanes oder Anrührendes eingehen zu können. Das ist das Schlimme an Perlenketten, dass ihre Schönheit nicht den Träger interessanter macht, sondern Distanz schafft zwischen demjenigen, dem sie um den Hals liegt, und allen anderen, die sie betrachten. Dass sie „Hier!“ schreit und „Reichtum!“, als ob sie es nötig hätte, sich anzupreisen, anstatt leise all die Augen zu verführen, die über ihre Rundungen hinweggleiten…

Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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Zuletzt aktualisiert: 23. Mai, 03:27

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