Na dann nastrowje
Olga ist Russin, in Russland geboren und aufgewachsen und sieht so russisch aus, dass sie auch Svetlana heißen und ein Eislaufkostüm tragen könnte. Sie arbeitet in Moskau in der Marketingabteilung einer Ketchupfirma, die es ihr ermöglicht, ziemlich viel in der Welt herumzureisen und dabei schwupps (und noch dazu in München!) einen Kanadier kennenzulernen, der sie am Wochenende Lilli vorgestellt hat. Olga hat einen schweren Zungenschlag, mit dem sie ein passables Englisch spricht, trägt knackige Jeans und zeigt sich erstaunlich unbeeindruckt über das Leben, wie sie es in den letzten Tagen in Kanada beobachten konnte. Die kanadische Kälte lässt sie kalt, die Weite der Landschaft auch, die Restaurants in Montréal findet sie preiswert und von American Football versteht sie auch nicht weniger als Lilli. Miteinander telefonieren tun sie über Skype, und weder Mikrowelle noch Spülmaschine halten irgendwelche Mysterien parat. Allein, als Olga ihre Mitbringsel auspackt, überflutet eine Welle russischer Authentizität das Wohnzimmer, als stünde Anton Tschechow persönlich auf dem Teppich: eine Babuschka mit integrierter Wodkaflasche für Monsieur, ein handbemaltes glänzendes Schächtelchen für Lilli und zwei kleine Babuschkas für die Strolche sagen sehr deutlich „Russland“ und beschwören das Unbekannte, Fremde, die andere Kultur herauf, auf die Lilli eigentlich gewartet hatte. Olga ist wieder zurück nach Moskau geflogen, aber ihre Mitbringsel stehen immer noch bei Lilli auf dem Küchentisch und warten darauf, wie diese Liebesgeschichte zwischen zwei Kontinenten jetzt wohl weitergeht.
Lilli legt los - 18. Jan, 12:54