Donnerstag, 19. Januar 2012

30 Sekunden

Lillis erster richtiger Werbespot kommt nächste Woche ins Fernsehen. In den letzten vier Wochen hat Lilli deshalb schätzungsweise hundert, vielleicht auch fünfhundert Entscheidungen getroffen, die alle diese kostbaren 30 Sekunden betreffen. Was wird genommen, was fliegt raus, was dauert wie lange und kommt in welcher Reihenfolge - mit der gleichen Idee und dem gleichen Filmmaterial könnte man mehrere völlig unterschiedliche Versionen zusammenschneiden, es ist total faszinierend. Lillis Kollegen haben unterschiedliche Kommentare abgegeben und unterschiedliche "problematische" Stellen aufgezeigt - die eine fand die Tanzszene super, die Lilli letztendlich rauswarf, die andere störte die Art, wie die Frau die Hände unter dem Bauch faltet, und der Kollege mit den schönen Hemden fand das Endprodukt "korrekt, wenn auch nicht elegant". Lilli muss sich jetzt ganz schnell einen dicken Panzer wachsen lassen, bevor die 500 Mitarbeiter und dann das Fernsehpublikum mit ihrem Werk konfrontiert werden.

Und sich daran erinnern, dass es sich um einen Werbespot handelt und nicht um epochemachende Filmkunst. Um den sich trotzdem in den letzten Wochen ihre gesamte Existenz gedreht hat...

Gruppendynamisch

Lilli bekommt jeden Tag eine E-Mail mit einem Sonderangebot, das nur dann gültig ist, wenn sich genügend Leute verpflichten, es zu kaufen. Groupon nennt sich das hier und in den sechs Monaten, in denen Lilli täglich dazu animiert wurde, Yogakurse, Maniküren oder Winterreifen zu kaufen, hat sie tatsächlich zweimal zugegriffen. Das erste Mal im Herbst bei einem Restaurant in ihrer Nähe, das zweite Mal gestern. Lilli braucht nämlich einen Wecker, und gestern war so ein kleiner goldiger Würfel im Angebot, der von innen leuchtet und in unregelmässigen Abständen die Farbe wechselt. Den kleinen Strolch beunruhigt das.

Kleiner Strolch: Der blinkt, oder was?

Lilli: Nein, der wechselt ganz sanft und langsam die Farbe.

Kleiner Strolch: Hört das auf, wenn du ihn ausschaltest?

Lilli: Den schalte ich nicht aus, der muss doch die ganze Zeit die Zeit anzeigen, damit er morgens klingeln kann.

Kleiner Strolch: Dann leuchtet der die ganze Nacht durch und wechselt dabei ständig die Farbe?

Lilli: Ja.

Kleiner Strolch: Da kannst du bestimmt nicht schlafen dabei.

Lilli: Das werden wir ja sehen. Im schlimmsten Fall stelle ich ihn unten in meinem Nachttisch, dann stört es mich bestimmt nicht.

Kleiner Strolch: Wenn es dich stört, kann ich ihn nehmen. Mir würde das bestimmt nichts ausmachen...

Stets zu Diensten, der Junge.

Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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Zuletzt aktualisiert: 23. Mai, 03:27

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