Lilli in der Fremde
Wer kann es in Worte fassen, dieses Befremden, wenn die eigenen Kinder einem verwöhnt und undankbar vorkommen? Wenn Kindergeburtstag gefeiert wird und der normalerweise charmante Sohn plötzlich zum gierigen, schreienden Nimmersatt wird, der aufgeregt Geschenke aufreisst, zu laut lacht, anderen ins Wort fällt? Klar kann man ihn verstehen, schliesslich ist Kindergeburtstag nur einmal im Jahr und wer plötzlich so im Mittelpunkt steht, findet es normal, dass alles um ihn kreist. Aber Lilli kann nicht umhin, sich an das Mädchen zu erinnern, das damals unbedingt neue Rollschuhe wollte und dann monatelang dankbar war, sie bekommen zu haben. Inzwischen geht alles immer schneller, die neuen Rollschuh/Longboard/Ipodmodelle kommen in immer kürzerem Rhythmus auf den Markt und die Dankbarkeit dauert nur noch Tage, dann keimt schon der nächste Wunsch auf, den es zu stillen gilt. Lilli hat manchmal das Gefühl, zu scheitern in ihrem Versuch, ihren Kindern beizubringen, was wirklich zählt. Kinder, die ihr Begehren in der Schule und in den Medien immer neu aufladen und nicht mehr wissen, wie man spielt, ohne auf einen Knopf zu drücken, findet Lilli deprimierend. Wenn die eigenen Kinder so zu werden drohen und man um sich greift, ohne den Draht zu ihnen zu finden, tut sich ein Abgrund auf. Sowas sagt man schliesslich nicht, dass man seine eigenen Kinder schlecht erzogen findet...
Lilli legt los - 12. Mär, 05:15