
Seit der kleine Strolch Baseball spielt, kommt sich Lilli vor wie in einem amerikanischen Film. Jede Sekunde rechnet sie damit, dass sich Clint Eastwood neben sie setzt und so kernige Sachen sagt wie: "See the ball, hit the ball" oder "Three strikes and your out, kiddo". Ach nein, das letztere war aus Calvin & Hobbes. Trotzdem, ein ganz neues Vokabular tut sich ihr auf. Ausserdem: im Gegensatz zum Eishockey, dessen Finessen sie inzwischen kennt, gibt es beim Baseball keine durchgehende Action auf dem Spielfeld. Lange Minuten verstreichen, ohne dass das Spiel so recht vorangeht, während der Ball geworfen, aber nicht geschlagen wird. Die Versuchung, die Nase in ein Buch zu stecken, ist riesig, doch kaum hat Lilli eine halbe Seite gelesen, macht es auch schon "Plock" und ein aufgeregtes Raunen geht durch die Zuschauer. Lilli schaut hektisch auf, klemmt die Augen zusammen, um den winzigen Ball so schnell wie möglich auszumachen, verschiedene Spieler rennen gleichzeitig in alle Himmelsrichtungen und ohne, dass Lilli den Grund ausmachen könnte, seufzen am Ende alle enttäuscht auf oder jubeln Beifall. "HomeRUN!", schreit ihr Monsieur ins Ohr, und es scheint etwas Positives zu sein, zumindest, wenn es der richtigen Mannschaft passiert. Lilli nimmt den Finger aus dem Buch, um applaudieren zu können.