Die Regenwurm-Analogie
Heute morgen war es feucht und schwül, es hatte die Nacht durch geregnet und das Gras appetitlich grün angemalt. Deshalb war es auch ein Ding der Unmöglichkeit, beim Laufen nicht auf den einen oder anderen Regenwurm zu treten. Nein, was tummelten sich da viele Regenwürmer auf dem Asphalt! Ich frage mich, wie sie bloß auf die Idee kommen, die Straße überqueren zu wollen – etwa, weil sie auf der anderen Seite einen besseren Grünstreifen vermuten? Vielleicht sollte man denen mal sagen, dass die andere Straßenseite auch nicht viel mehr zu bieten hat als die Umgebung, aus der sie gerade kommen… so aus Menschensicht jedenfalls ist ihr ganzes Hin- und Hergewinde ein teures Unterfangen, da sie auf dem Weg ins gelobte Land doch nur riskieren, von morgendlichen Läufern zerquetscht zu werden. Wenn man nun aber einmal die Perspektive wechselt und sich hoch über unsere Köpfe zoomt, sehen wir Menschen mit unserem ganzen Hin- und Hergerenne womöglich nicht viel anders aus als diese armen Würmer… unterwegs nach einem besseren Grünstreifen, angetrieben von persönlichen, wie auch immer gearteten Wünschen für den Rest unseres Lebens. Nun soll dies aber kein Plädoyer dafür sein, hübsch auf seinem kleinen Rasenstück auszuharren und niemals zu riskieren, sich auf den Weg ins grünere Gras zu machen, oh nein. Auch kann man sich nicht immer die Stelle aussuchen, an der man die Straße überquert. Ich Würmchen, die ich vor 14 Jahren einen Ozean überquert habe, um mein Leben hier in Kanada weiterzuleben, kann lediglich eines anmerken: So anders geartet der Rasen „auf der anderen Seite“ auch sein mag – die eigenen Macken trägt man auch dort mit sich herum!
Und vor den eigenen Macken kann man nicht davonlaufen, so viel man auch läuft und läuft und läuft...
Und vor den eigenen Macken kann man nicht davonlaufen, so viel man auch läuft und läuft und läuft...
Lilli legt los - 2. Jun, 09:13
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