Leben auf der Rennbahn
Wie bei jeder unangenehmen Überraschung fragt man sich auch bei einer Depression, ob es nicht schon früher irgendwelche Anzeichen gegeben hat, die uns hätten warnen können: die sogenannten „red flags“ (als ob das Leben ein Formel 1-Rennen wäre, bei dem seitlich irgendwelche Leutchen stehen und Fahnen schwenken). Lilli kann sich nur an eine einzige Begebenheit erinnern, bei der irgendwelche Fahnen geschwenkt wurden, und zwar vor etwa einem Jahr, als Monsieur und Lilli an einem Karting-Rennen teilgenommen haben. Lilli kam sich dabei so vor, als nähme sie auf einem Rasenmäher Platz und fuhr so langsam, dass sie ständig mit einer blauen Fahne bedacht wurde, die soviel bedeutete wie: „Mädel, entweder drehst du auf oder du fährst immer schön an der Seite, um die wilden Männer hinter dir vorbeizulassen.“ Keine angenehme Erinnerung, die aber zum Glück nichts mit den Warnsignalen zu tun hat, von denen weiter oben die Rede war. Dieses Suchen nach frühen Anzeichen ist deshalb so gefährlich, weil es absolut nichts Konstruktives zur Heilung der Depression beiträgt, sondern lediglich im Nachhinein noch die schönen Erinnerungen zertrümmert, die einem eigentlich dabei helfen sollten, positiv zu bleiben und sich liebevoll um den Depressiven zu kümmern… Trotzdem kommt Lilli in unachtsamen Momenten nicht umhin, den Finger in die Wunde zu stecken und sich zu fragen, ob Monsieur nicht schon seit längerer Zeit depressiv ist und das, was sie noch im Sommer zusammen erlebt haben, nur Schau war, aufgesetzte Maske, nur geschicktes Übertünchen des Abgrunds. Und je länger Lilli in der Wunde rumbohrt und mit dem Nagel kratzt, umso sicherer ist sie sich, dass Monsieur das schon seit einer Ewigkeit mit sich rumschleppt. Was sie wiederum so richtig unglücklich macht.
Lilli legt los - 29. Okt, 11:44
Hättiwari
Lilli weiß es selbst, wie viel Sinn das macht...
Und grundsätzlich ist jeder für sich selbst verantwortlich. Alles andere wäre unmenschlich....
Was ich als Familienvater aus eigener Erfahrung vielleicht als Erklärungsansatz beisteuern darf: "Mann" hat Verantwortung, muss stark sein, der Fels in der Brandung, was ist, wenn ich zusammenklappe, bloß nicht daran denken, neinnein, das wird schon wieder. Und ja nicht den Mund aufmachen. Könnte ja was helfen...
Wir Männer sind manchmal schöne Trottel. Eine Schwäche zugeben und um Hilfe bitten, womöglich rechtzeitig...
Wozu nach dem Weg fragen, ich habe ja eine Straßenkarte, das schaffe ich schon alleine...
Stolz und ein verklärtes Bild von Verantwortung, dazu die Liebe zu den Seinen: manches Mal eine teuflische Mischung.
Avec des "si"
Mannsein
Ich versuche es bei meinen besser zu machen, muss aber entdecken, dass meine unbewusste "Vorbildwirkung" oft stärker ist als jedes Wort...
Aber ich denke: Wissen ist schon die halbe Miete!