Eine Frage der Ethik

Das Fach Religion ist in der Provinz Québec durch „Ethik und Religionskunde“ ersetzt worden und hat es damit geschafft, sowohl die gläubigen wie auch die religionsfernen Eltern in Rage zu versetzen. Die einen sind enttäuscht, dass der Glaube an Gott aus der Schule gekickt wurde, während die anderen finden, dass auch noch dieses Stündchen zu viel über das Thema vermittelt und womöglich die Türen zu fremden Religionen öffnet, die in der Welt nichts als Schaden anrichten. Unterdessen malen die Kinder viel und lernen ein bisschen was über die Hochzeits- und Beerdigungsrituale der Juden und der Hindu. Neulich aber erzählte der Strolch von einer ganz besonders spaßigen Unterrichtseinheit: jeder musste sich neun Personen oder Objekte aussuchen, die er auf eine „Ballonfahrt“ auf eine einsame Insel mitnehmen wollte. Leider kriegen sie bald schon Gewichtsprobleme und müssen zwei Personen/Objekte über Bord werfen, dann noch mal drei, dann noch mal zwei, sodass zum Schluss nur noch insgesamt drei Personen übrig sind. Die Kinder fingen mit den Fahrrädern und Baseballschlägern an, mussten aber bald schon die kleine Schwester oder die eigenen Eltern abwerfen, und einige zogen es zum Schluss sogar vor, selbst über Bord zu hüpfen. Als Lilli von diesem Experiment hört, zieht sie die Augenbrauen hoch und schüttelt verständnislos den Kopf. Ethik ist ja schön und gut, aber muss es gleich die Hardcore-Version sein? Für Zehnjährige? Dann erfährt sie in den Nachrichten vom Absturz des Airbusses zwischen Rio und Paris und denkt sich schaudernd, dass es im Prinzip noch die beste Lösung ist, wenn die ganze Familie zusammen verunglückt… oder wie soll man weiterleben, wenn ein Teil seines Herzens gestorben ist?
Kratzbürste - 3. Jun, 03:22

Dieses "Experiment" erinnert mich an schlechte Witze. Manchmal fragt man sich ja schon, was diesen Sozialpädagogen so im Kopf vorgeht.
Gerade Religion ist so ein Fach. Mein kleiner Bruder kam damals (er war noch an der Grundschule) mit einem Test nach Hause, in dem er gefragt worden war, ob Moses ein Mörder gewesen sei.
Ich habe noch nie viel von diesem Fach gehalten. Grundsätzlich finde ich es nicht schlecht, wenn man etwas über die Weltreligionen erfährt, und auch die Gewissensbildung sollte nicht zu kurz kommen. Aber die "Lehrer", die den Kindern vorgesetzt werden ...
In der Grundschule hatten wir eine Nonne, die uns allen Ernstes weismachen wollte, daß man vom Küssen schwanger wird. (was das Thema überhaupt in der 2ten Klasse verloren hatte, frage ich mich heute noch)
In der Realschule hatten wir so eine kleine rothaarige Hexe, die uns einen Film über Abtreibung gezeigt hat und dabei das Klassenzimmer abgesperrt hat.
An der Berufsschule hatten wir dann einen Herren, der tatsächlich der Meinung war, daß "das Weib das Böse ist".

Lilli legt los - 3. Jun, 17:04

Das kann ja wohl nicht wahr sein!

Ich sitze hier und schüttele schon seit ein paar Minuten den Kopf... deshalb sind Eltern ja so wichtig, dass sie dann diese vermittelten "Kenntnisse" wieder geraderücken. Oder wie meine Schwester immer sagt: Kinder lernen trotz Schule!
raumschots - 5. Jun, 14:23

"die beste Lösung ist, wenn die ganze Familie zusammen verunglückt…" das ist gar keine Lösung, das ist egoistisch. Jeder Mensch ist ein Individuum und sollte selbständig sein und leben können. Jeder hat das Recht auf Leben auch wenn bestimmte Menschen Angst um ein Teil ihres Herzens haben...das ist dann ausschliesslich Sache des Menschen mit diesem Herzen...vielleicht mal ein bisschen Ethikunterricht mitmachen?

Lilli legt los - 5. Jun, 18:45

Ohoooo!

Der Mensch ist vielleicht ein Individuum, er lebt aber nicht in einem Vakuum - sondern in einem dichten Geflecht aus Beziehungen, das dieses Leben erst so richtig bunt anstreicht. Und die Eltern-Kinder-Beziehung ist da ganz besonders störrisch und will sich nicht unterkriegen lassen... Deshalb ist der Gedanke, dass man das eigene Kind nicht auf seinem Lebensweg begleiten kann, so undenkbar. Für Lilli jedenfalls.

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Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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