Wie die Zeit vergeht
Weinflaschen waren Lilli zu schwer als Mitbringsel, da sie plante, direkt vom Büro aus, also mit Sack und Pack und Schuhen und Strickjacke und was man halt sonst noch so mit sich herumträgt, um den Tag im Büro zu überstehen, zum Treffen mit ihren frühreren Kollegen zu gehen. Zwölf Jahre war es nun her, dass sie diese Agentur verlassen hatte, und wenn sie auch ein paar der liebsten Kollegen im Anschluss immer mal wieder treffen konnte, waren diese Zusammenkünfte in den letzten Jahren doch versiegt. Den Chef, der nun zu sich einlud, hatte sie nur ein einziges Mal auf der Strasse getroffen seither. In ihrer örtlichen Schokoladenboutique mit himmelhohen Preisen wählte sie also eine in Krawattenkaropapier gehüllte Tafel Zartbitter für ihn und ein Töpfchen mit hausgemachtem Karamell für seine Frau. Und zwei unwiderstehlich lustige quadratische Schokolutscher für die Kinder. Lilli konnte sich noch gut an die Geschichten über den schwierigen Sohn erinnern - entweder war er autistisch oder hatte andere Verhaltensstörungen, so ganz eindeutig war das nie gewesen und der Chef eher wortkarg, was die Diagnose anging. Einmal hatte er sich aus Versehen im Klo eingeschlossen und schrie wie am Spiess, bis die Feuerwehr durch das Fenster einstieg, worauf er regelrecht hysterisch wurde... Der Vater hatte von der Agentur nach Hause kommen müssen, um ihm gut zuzureden.
Erst beim Verlassen des Ladens fing Lilli an zu rechnen. Gerade hatte sie einem 18jährigen einen Schokolutscher gekauft. Dabei war ihr selbst die Zeit seit damals nicht länger als ein Schulterzucken vorgekommen.
Erst beim Verlassen des Ladens fing Lilli an zu rechnen. Gerade hatte sie einem 18jährigen einen Schokolutscher gekauft. Dabei war ihr selbst die Zeit seit damals nicht länger als ein Schulterzucken vorgekommen.
Lilli legt los - 22. Jan, 05:00
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