Lillis Erwachen

Wieder einmal ist Lilli mit geschlossenen Augen durch den April getaumelt. April ist hier kein Monat zum Leben: der Winter wintert noch vor sich hin, obwohl er jedem zum Hals raushängt und sich schon längst hätte nach Norden in den Permafrost (auf französisch so ein hübsches Wort, pergelisol) verziehen sollen; die Bäume schlagen kein bisschen aus, dafür schlägt die Einkommensteuer zu und die Ameisen, die man letzten Sommer aus der Küche vertrieben hat, schlagen mit erneuten Kräften zurück. Wieder einmal ist Lilli mit geschlossenen Augen Tag für Tag zum Zug gestiefelt, hat sich nach der Arbeit durch unzählige Elternsitzungen gekämpft und schmerzhafte Stunden auf unbequemen Bänken in miefenden Turn- und Eishallen abgesessen. Und dann auf einmal sprechen Lillis Mitmenschen von Sommerferien und Urlaubsplänen, da müssen Feriencamps gesucht und gebucht werden und die Wochen bis zum Schulende zählen sich an zwei Händen ab. Da braucht man plötzlich kurze Hosen, Sandalen und eine Pediküre, und die Vögel schreien Lilli zu: Mach die Augen auf, der Sommer ist da. Dieser Tage blinzelt Lilli wie ein Bär nach dem Winterschlaf.

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Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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Zuletzt aktualisiert: 23. Mai, 03:27

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