Keine Lust auf Halloween

Halloween, das wissen alle Leser von John Irving, ist grauslich. Mehrere Jahre lang konnte Lilli die Strolche davor abschirmen, da der Stichtag doch wiederholt auf einen Tag fiel, an dem sie nicht im Kindergarten waren. Dann aber kamen sie in die Schule und entdeckten, dass am 31. Oktober abends der Bär los ist, dass man da an fremden Türen klingeln darf und allerlei geschenkt bekommt. Seither machen sie bei Halloween mit und bringen grosse Taschen voller Süssigkeiten nach Hause. Im Zuge ihres ausgeprägten Pflichtgefühls kauft Lilli deshalb Berge von kleinst abgepackten Süssigkeiten, die sie selbst an der Tür ausgibt, sobald die Horden klingeln. Klar, wenn ihre Kinder irgendwo was kriegen, dann gehört es sich, dass sie sich in die Gruppe der Gebenden einreiht, damit sich das wieder ausgleicht und das System überhaupt funktionieren kann. Wenn es nur solche gibt, die klingeln, und keiner, der gibt, ist Halloween futsch und wenn Halloween futsch ist, sind die Strolche traurig, und das will ja wohl keiner.

Nun ist das aber, nüchtern betrachtet, ein eher mühsames Unterfangen: Lilli kauft und gibt an der Tür aus, während die Strolche die Strasse hoch und runterlaufen und von Tür zu Tür etwa so viel einsammeln, wie Lilli ausgibt. Fast hat Lilli Lust, ein Diagramm zu malen, wie es der Titelheld in Reif Larsens Buch macht, um zu zeigen, wie es einfacher ginge: Lilli kauft Süssigkeiten und... gibt sie den Strolchen, noch dazu mit der Garantie, auch nur das zu kaufen, was die Strolche auch tatsächlich mögen! Sonst kommen sie nur wieder mit Unmengen von Coffee Crisps und Karamellbonbons nach Hause, die keiner isst und im Kommunionsunterricht für Lesotho gespendet werden...

Aber nein, der Weg ist das Ziel, das weiss auch Lilli. Vielleicht stellt sie dieses Jahr einfach die Schachtel mit den Süssigkeiten vor die Tür und lädt die Monster zur Selbstbedienung ein.
muellerto - 19. Okt, 01:48

Ich hatte mal einen Kollegen (dieser Halloween-Unsinn hält ja hier auch immer mehr Einzug), der hatte eine entsetzliche bluttriefende Maske und ein grosses Messer (schon fast eine Machete) und öffnete damit den Kindern die Tür. Wenn sie nicht gleich kreischend wegrannten oder etwa gar erstarrten, stiess er noch einen erschütternden Schrei aus und machte Anstalten, einen zu schnappen, das genügte meist. - Ein anderer Kollege verteilte mit Vorliebe Chili-Schokolade, die offenbar extra für diesen Zweck produziert wird.

P.S.: "nüchtern betrachtet" ist gar nicht gut.

Lilli legt los - 19. Okt, 18:16

Auch mit einem Glas Wein sieht Halloween nicht besser aus!
tpl - 19. Okt, 03:57

sogar im ("heiligen") tiroler gebirge greift dieser wahnsinn um sich. NOCH war das argument "ist bei uns ja eigentlich nicht so brauchtum" haltbar, aber die fassade bröckelt, wie halloween-schokolade, die zu lange herumliegt (=nikolaus- u. osterhasenschokolade).
dennoch scheint es bei meinen wilden tatsächlich nur um diese erbettelten süßigkeiten zu gehen, weniger um die angedrohten (u vl. sogar ausgeführten) streiche. - ich hab sie da wirklich anders eingeschätzt.
ich persönlich würde ja mehr freude mit geschenkten süßigkeiten beim gemeinsamen feiern des zuckerfests (ende ramadan) mit unseren lieblingsnachbarn, haben.

nur so eine überlegung: wenn sie die zuckermassen zur freien verfügung darbieten, ist das risiko nicht groß, dass die "ersten" monster "zuerst malen"?

Lilli legt los - 19. Okt, 18:17

Ja, die schütten sich dann garantiert den ganzen Inhalt in die Tasche. Manche kommen ja mit einem Kissenbezug, damit sie mehr sammeln können (kopfschüttel).
Elisabetta1 - 19. Okt, 12:46

Halloween ist ja eigentlich,...

.... eine europäische "Erfindung", die von Irland ihren Weg in die Vereinigten Staaten genommen hat und nun..... wieder zurückkehrt. Ich persönlich finde es entbehrlich und manchesmal nimmt es Ausmaße an, die nicht mehr gut geheissen werden können. Sobald manche Kinder an gewissen Türen nichts bekommen, setzen sie Gewalt und Zerstörungswut ein ;-(
Ich glaube aber, daß es den meisten, gut gesinnten Kindern in erster Linie ums Einsammeln der Süßigkeiten geht und nicht so sehr, daß all das dabei ist, was sie selber bevorzugen. Wie Sie, Lilli selbst schon sagen - der Weg ist das Ziel.
Selbstbedienung = keine gute Idee - die Ersten werden die Einzigen sein, die sich freuen dürfen.

Lilli legt los - 19. Okt, 18:21

Hier gibt es einen Code: ist das Haus nicht geschmückt und beleuchtet, klingelt man auch nicht. Sogesehen läuft das alles also sehr brav ab und wer nicht will, braucht auch nicht mitmachen. Und die Idee, die Nichtgeber einzuschüchtern, ist hier völlig abhanden gekommen. So verlangen die Kinder auch nicht "Süsses oder Saures" (es gibt gar kein französisches Gegenstück), sondern wünschen fröhlich "Joyeux Halloween". Abartig.

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Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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