Auto-matik
Volkswagen schaltet in Kanada Werbespots, die sich nicht groß von all den anderen Autoherstellern unterscheiden. Klar wird manchmal der „europäische Chic“ oder die „deutsche Technologie“ hervorgehoben, ansonsten sieht man … Autos, Straßen, Tankstellen und lächelnde Menschen in urbanen Klamotten wie bei Mazda, Ford und Honda auch. Neulich wäre Lilli beim Nachrichtengucken aber fast vom Sofa gerutscht: im Werbeblock hört sie doch plötzlich eine dieser tiefen, gutturalen Stimmen, die sonst immer im Kino die neuesten Filme anpreisen („Er lebte ein gewöhnliches Leben (Pause) mit ganz gewöhnlichen Freunden (Pause) bis er eines Tages (Pause) auf eine außergewöhnliche Frau stieß“), die auf deutsch sagt: „Volkswagen – das Auto“. Keine kanadische Stimme, die so tut, als sei sie deutsch, sondern eine Stimme, die so mühelos und akzentfrei deutsch spricht, als käme sie direkt aus Hannover. Und das hört sich gleichzeitig so fremd (inmitten des sonstigen akustischen Umfelds) und vertraut (für Lilli) an, dass Lilli ganz anders um den Bauchnabel wird. Oder wo auch immer das Zugehörigkeitsgefühl sitzt, das das Hören der Muttersprache in uns auslöst. Denn es war ja weder die Stimme des Mannes (die Lilli unbekannt war), noch die Bedeutung der Worte, die Lilli berührten. Es war allein das Hören der Sprache, das so automatisch eine Saite in Lilli zum Klingen brachte, wie manchmal eine Berührung mit einem Finger den ganzen Körper in Aufruhr bringt. Einen ähnlich direkten Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung kennt Lilli sonst nur, wenn sie eine Tüte Gummibären aufreißt und sofort ein Strolch neben ihr steht...
Lilli legt los - 16. Jun, 11:02
Aber die Gummibären haben was von Pawlow, oder?
Will man einen Strolch herlocken,