Dienstag, 3. März 2015

Aus

Wenn sich Eltern darum streiten, wie mit einem schwierigen Jugendlichen umzugehen ist, geht davon oft die Beziehung in die Brüche. Seltsam: am Anfang gab es nur die Liebe zwischen den Eltern, aus der heraus das Kind entstanden ist. Dann bringt das Kind diese Liebe zu Ende. Bei Freunden von Lilli und Monsieur ist das jetzt so. Der Sohn, 17 Jahre alt, zieht aus, weil er nicht mit dem Vater klarkommt und dieses durch allgemeine Aufmüpfigkeit, aber auch durch gewalttätiges Verhalten gegenüber den kleinen Geschwistern zum Ausdruck bringt. Die Mutter will schlichten, der Vater befürwortet den Auszug, die Mutter wirft dem Vater vor, den Jungen vergrault zu haben, der Vater wirft der Mutter vor, seine Autorität zu untergraben, die Mutter wirft dem Vater vor, zu viel Autorität und zu wenig Kommunikationstalent zu haben, der Vater wirft der Mutter vor, zu viel zu reden und zu wenig zu handeln. Beide fühlen sich im Stich gelassen - vom anderen, aber auch vom Sohn, der sich nicht in das Leben der Familie einfügen lassen will. Jetzt ist der Sohn weg, die Ehe kaputt, die Familie der kleinen Geschwister kaputt.

Gut wäre es, wenn man den Film nochmal anschauen und analysieren könnte, ab wann etwas falsch zu laufen anfing. Damit alle Eltern davon lernen.

Montag, 2. März 2015

Tortur

Die Steuererklärung der Schwiegermutter machen müssen, während Monsieur Curling guckt. Nicht genug, dass es Spalte um Spalte an Zahlen einzutragen gilt, man wird dazu auch noch mit "HARD! HARD! HAAARDER!" angefeuert...

Samstag, 28. Februar 2015

Rekordkälte

Februar 2015 war anscheinend der kälteste Februar in 115 Jahren.

Warm ums Herz wird's einem davon aber auch nicht.

Donnerstag, 26. Februar 2015

Es geht aufwärts

Im Skibus, in den Lilli und Monsieur steigen, herrscht extrem gute Laune. Und gute Musik aus dem Radio. Ein Vater steigt mit seiner schätzungsweise 9jährigen Tochter dazu, hört kurz hin und sagt: "Hey, Jade, das ist doch Dein Lied!" Monsieur will wissen, wie es heisst. Der Vater erklärt beglückt: "Es heisst Take me to Church und es ist die erste Musik, die meiner Tochter gefällt und mir nicht sofort zu den Ohren rauskommt."

Ein Meilenstein in jeder Vater-Tochter-Beziehung.

Mittwoch, 25. Februar 2015

Eine Reise in den Frühling

Je älter man wird, umso älter werden auch die eigenen Eltern. So sind Lillis Eltern bereits über 80 und damit in einer Zone, in der früher banale Geschehnisse plötzlich schreckenhaft alptraumartige Ausmasse annehmen. "Der Papa ist heute nacht hingefallen, als er aufs Klo wollte, und ich konnte ihn nicht aufheben", erzählt Lillis Mutter zum Beispiel und ist selbst erstaunt, wie hilflos sie geworden sind, wie zerbrechlich, wie machtlos angesichts der Schicksalsschläge, die da jetzt auf sie warten. Ob sie noch einmal nach Menorca fliegen werden, wissen sie nicht, aber dass einer von ihnen irgendwann die Kellertreppe runterfliegen und dort mit einer gebrochenen Hüfte auf den kalten Fliesen liegen wird, wird mehr und mehr zur Gewissheit. Lilli, 6000 Kilometer entfernt, kann nur mitfühlend in den Telefonhörer seufzen.

"Der Papa braucht jetzt ein Hörgerät", ist auch so ein Satz. Angst schwingt mit vor dem neuen Hausbewohner - ein Ding hinter den Ohren, das pfeifen wird oder drückt oder sich entzündet.

Im Mai wird Lilli nach Hause fliegen. Allein, damit sie wirklich Zeit für die Eltern hat. Ein bisschen gruselt sie sich davor.

Animierte Diskussion

Bei der Oscar-Verleihung tritt eine Sängerin auf, die Lilli nicht kennt. "Ist das Ariana Grande?", fragt sie den kleinen Strolch. "Nein, die singt anders", antwortet er. Lady Gaga ist es aber auch nicht. "Ich weiss", sagt Lilli. "Das muss die von "Frozen" sein." "Aber Mama, das sind doch keine richtigen Leute!", erwidert der kleine Strolch prompt.

Danach muss er so über sich selbst lachen, dass seine Lippe aufspringt.

Donnerstag, 19. Februar 2015

Wortlos

In Lillis Firma arbeiten knapp 800 Menschen in über die Stadt verstreuten Standorten. Lilli kommt nicht mit allen in Kontakt, manche sieht sie überhaupt nie, mit anderen hat sie regelmässig oder sporadisch E-Mail-Verkehr. Durchschnittlich einmal pro Woche erhält sie eine Todesanzeige vom Personalwesen, "Wir bedauern, den Tod von X, Vater von Y, Sekretärin in der Informatikabteilung, bekanntgeben zu müssen. Die Trauerfeier findet am Samstag usw." Diese Anzeigen gibt es nur, wenn die Mitarbeiter es ausdrücklich wollen. Manchmal wird Ort und Uhrzeit der Beerdigung bekanntgegeben, manchmal aber auch nicht, wenn die Leute nicht wollen, dass ihre Kollegen dort auftauchen. Die meisten aber wollen mitteilen, dass sie einen Todesfall in der Familie haben. Damit sie es nicht jedem einzeln erzählen müssen, damit die Kollegen verstehen, warum sie anders sind als sonst oder warum die Arbeit im Moment nicht so vorangeht, wie man es von ihnen erwartet.

In den fünf Jahren, in denen Lilli dort arbeitet, sind also schätzungsweise 250 Leute gestorben, die mit ihren Kollegen verwandt waren. Heute aber war es nicht "Vater von Y" oder "Schwägerin von Z", sondern die Tochter eines Kollegen. Zwanzig Jahre, Autounfall. Normalerweise schreibt Lilli eine E-Mail, um dem Kollegen ihr Beileid auszusprechen. Heute aber wollten die Worte nicht kommen. Beim Googeln stiess sie auf ein Zitat von Victor Hugo, der um seine Tochter Leopoldine trauert: "Tu n'es plus là où j'étais, mais tu es partout là où je suis" (Du bist nicht mehr da, wo du warst – aber du bist überall, wo wir sind.) Es wird ihm nicht helfen.

Mittwoch, 18. Februar 2015

Alles oder nichts

Lilli ist verwirrt. In der Talkshow sitzen vier Powerfrauen im Cocktailkleid (nein, diejenige, die am nettesten aussieht, hat eine Bluse und einen dunklen Blazer an) und stellen ihr neues Projekt vor. Sie, die bereits Führungspositionen in grossen Unternehmen innehaben, wollen anderen Frauen helfen, ihre Karriere voranzubringen. Da geht es um Verhandlungsstrategien, Zeitmanagement, Sponsoring, Fortbildungen - insgesamt eine gute Idee, denn Frauen - wie Männer - brauchen ein Netzwerk, um ganz nach oben zu kommen. Die erste Frau wird gefragt, worauf sie besonders stolz sei. Sie erzählt vom Wechsel aus einer Branche in eine andere und wie sie es geschafft hat, die Verkaufszahlen bla bla bla. "Darauf bin ich, glaube ich, am meisten stolz, gleich nach meinem Sohn", schliesst sie ab. Die nächste Frau wird gefragt, was sie als beruflichen Meilenstein ansieht. "Meine Tochter. Und natürlich die Erneuerung unserer Produktpalette im Zeichen der neuen Medien bla bla bla."

Der Moderator fragt, ob Männer eigentlich auch ihre Kinder nennen würden, wenn man sie nach ihrer Karriere fragt. "Nein, aber sie sollten es tun", kommt prompt die Antwort.

Die dritte Powerfrau gibt ebenfalls an, dass ihre Tochter ihr grösster Stolz ist - wie könnte sie auch anders, sonst wäre sie ja eine Rabenmutter im Vergleich zu ihren Vorgängerinnen. Die vierte Frau (die nette im Blazer) hat keine Kinder. Und fühlt sich gezwungen, das gleich am Anfang klarzustellen: "Da ich keine Kinder habe, kann ich gleich zu meinen beruflichen Highlights übergehen. Bla bla bla."

Auf Lillis Stirn erscheint ein grosses Fragezeichen. Sie ist peinlich berührt von diesen Frauen, die ihren Platz neben den Männern eingenommen haben und anderen dabei helfen wollen, das gleiche zu tun - und die doch irgendwie den Eindruck machen, sie müssten erst mal klarstellen, dass sie AUCH Mutter sind. UND sexy auch noch, du lieber Himmel, deshalb ja die Cocktailkleider. Weil man sonst womöglich denkt, sie wären keine richtigen Frauen? Weil eine Frau in Führungsposition gleich den Verdacht erweckt, dazu nur gekommen zu sein, weil sie "wie ein Mann" sein kann? Irgendwie passt das alles nicht zusammen. Wenn Lilli nach ihren beruflichen Leistungen gefragt wird, erzählt sie nicht, dass sie zwei Söhne hat, weil das nicht zur Sache gehört. Sie will doch als Expertin in ihrer Branche ernstgenommen werden, nicht als "arbeitende Mutter". Die Mutter bleibt zuhause, sie geht nicht mit Lilli ins Büro, genauso wie die Kommunikationsfachfrau abends im Büro bleibt und nicht mit der Familie Abendbrot isst (meistens jedenfalls).

Solange Frauen anderen Frauen vorleben, dass man alles haben kann - Kinder, Karriere, Traumbody und Zeit für soziales Engagement - werden sich tausende von Frauen damit unglücklich machen, diesem Ideal entgegenzustreben. Lilli vermutet, dass bei den Powerfrauen auch nicht alles so rosig ist, wie es vor der Kamera aussieht: im Job sind sie nicht so präsent, wie es von ihnen erwartet wird, ihren Kindern gegenüber haben sie ein schlechtes Gewissen und wenn sie nicht mehr in ihr Kleid passen, hassen sie ihren Körper und sich selbst. Hätte nicht eine wenigstens sagen können: "Am meisten bin ich auf die Verkaufszahlen bla bla bla stolz. Daran habe ich hart und lang gearbeitet, während mein Mann oder ein Babysitter abends mit meinem Sohn gegessen und Hausaufgaben gemacht hat. Aber das war es mir wert und meinen Sohn liebe ich trotzdem von ganzem Herzen, was dieser auch weiss."

Nein? Bis dahin ist wohl noch ein Weilchen.

Sonntag, 15. Februar 2015

Lernverweigerer

Passend zum Valentinstag hat Monsieur die Familie in die Garage bestellt. Lilli muss den Griff finden, der die Motorhaube entriegelt, die Strolche müssen sie aufmachen. "Das ist doch romantisch, so ein kleiner Mechanikkurs zu viert!", sagt Monsieur. "So, wo ist der Motor?", fragt er. Lilli deutet vage in die Mitte und erntet Beifall. Dann sieht er den kleinen Strolch an und klopft auf ein längliches Teil links vor dem Motor. "Und was ist das hier?" Der kleine Strolch: "Die Grafikkarte."

Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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