Mittwoch, 16. Mai 2012

Frühstück

Der kleine Strolch sitzt am Frühstückstisch und strahlt so viel stille Zufriedenheit aus, dass er direkt schnurren müsste. Lilli setzt sich zu ihm. "Ich esse Miniwheats-Staub mit Milch", erklärt er ihr und meint damit die Handvoll Brösel, die sich immer auf dem Boden der Müslipackung ansammelt und bei Miniwheats hauptsächlich aus Zuckerglasur besteht.

Für dieses Kind ist keine Freude zu klein, um nicht richtig gewürdigt zu werden.

Freitag, 11. Mai 2012

Tief ein- und ausatmen

Aaaaah. Zwei Wochen Florida. Eine Ferienwohnung mit genügend Zimmern für die nötige Privatsphäre. In Strandnähe. "Mit Schwimmbad?", fragen die Strolche. "Mit Wifi?", fragt Monsieur. "Mit Wifi am Schwimmbad", sagt Lilli, ganz stolz über ihren Fund.

Ferien sind nicht dazu da, Probleme zu klären, das weiss Lilli. Im Gegenteil, sie sind eine Auszeit, in der man die Probleme wegschiebt, um sie hinterher aus einem neuen Winkel betrachten zu können. Ach wie schön.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Den Reis loslassen

Lilli war in der Stressfortbildung von Serge Marquis, die für alle Mitarbeiter angeboten wird ("Ein ganzer Nachmittag geht dafür drauf. Das stresst mich jetzt aber!"). Er legt eine Einmannshow ab mit vielen lustigen Beispielen, die alle zu bitterem Lachen bringen. Zum Beispiel die Sache mit den Affen: In Malaysien fängt man Affen, indem man ein kleines Loch in eine Kokosnuss bohrt. Man leert die Milch weg und füllt die Nuss mit Reis, bevor man sie wieder in den Baum hängt. Der Affe kommt und will an den Reis. Er steckt die Hand in das Loch, das gerade so gross ist, dass die Hand durchpasst, wenn er die Finger eng aneinanderpresst. Im Inneren der Kokosnuss grabscht sich der Affe den Reis, dann versucht er, die volle Hand durch das Loch oben wieder rauszuziehen. Was aber nicht geht, denn mit dem ganzen Reis in der Hand ist sie zu dick. Der Affe fängt an zu schreien und zu schaukeln, er zieht am Arm, schwengt die Nuss hin und her, aber es ist nichts zu machen, er kriegt die Hand nicht raus. Die Jäger brauchen ihn nur vom Baum zu pflücken.

Vielleicht nicht gerade ein revolutionär neues Gleichnis, aber von schöner bildhafter Einprägsamkeit, finden Sie nicht?

Montag, 7. Mai 2012

Neues Aufgabengebiet

Im Lillischen Haushalt wurde schon so oft vergessen, Garage und Haustür abzuschliessen, ohne dass je eingebrochen wurde, dass hier ganz klar ein Schutzengel zugange sein muss. Vielleicht sollte Lilli mal lieber abends eine Kontrollrunde drehen, damit sich der Schutzengel anderen Gebieten ihres Lebens zuwenden kann...

Samstag, 5. Mai 2012

Backofentherapie

Anne-Marie Lecompte ist Journalistin und schreibt für eine Frauenzeitschrift eine Kolumne über die Höhen und Tiefen des Familienlebens. Mit viel Augenzwinkern und Ironie berichtet sie über Renovierungsarbeiten, Urlaubsplanungen und Besuche der Schwiegermutter, über ihren Mann Raoul, die zwei Söhne und diverse Haustiere. Letztes Jahr hat sich ihr sechzehnjähriger Sohn umgebracht und seither schreibt sie auch sehr offen darüber, wie sie mit dem Berg an Schuldgefühlen, Unverständnis und himmelschreiender Trauer umgeht. "Die Welt wird nicht aufhören, sich zu drehen", sagt ihr eine Freundin, aber nicht, um den Selbstmord zu banalisieren, sondern um ihrer Empörung Luft zu machen, dass das Leben für die Überlebenden gnadenlos weiter geht, immer weiter, weiter. Die Welt hört nicht auf, für nichts. Auch nicht, wenn man auf einer Bettkante sitzt und selbst nicht mehr weiter weiss: die Welt wird weiter wissen und unaufhörlich Abende, Morgen, Regen und Sonne anbieten, wie sie es schon immer getan hat.

Lilli steht also von der Bettkante wieder auf und backt. Diesmal sind es Schokolade-Rote-Beete-Muffins, die in ihrer Abartigkeit gut zur Situation passen. Von aussen sehen sie ganz normal und harmlos aus, innen drin aber verstecken sich Zutaten, die bisher dort nichts zu suchen hatten.

Neulich

Neulich hatte Monsieur genug. Er schlug mit der Hand auf den Tisch und wurde laut. Die Strolche weinten, Lilli weinte, Monsieur weinte. Hinterher sass Lilli auf der Bettkante und zog ihren Ehering vom Finger. Es fühlte sich sauschlecht an.

Dienstag, 24. April 2012

Was Eltern so alles aushalten müssen

Des grossen Strolches neuer Spielplatz:

taz1

Noch dazu hat es am Wochenende geregnet, sodass Lilli noch nicht mal sagen konnte, es sei Verschwendung, den Samstagnachmittag drinnen zu verbringen...

Montag, 23. April 2012

Wo in der Welt ist Robert?

Lillis Lieblingssatz in "Rebecca": "Sagen Sie Robert, er soll den Tee unter dem Kastanienbaum servieren."

Dieser Satz ist aus so vielen Gründen unwiderstehlich, dass Lilli gar nicht weiss, wo sie anfangen soll. Beim Tee, beim "servieren" oder bei der Tatsache, dass die Romanfigur, die diesen Satz ausspricht, so viele Dienstboten hat, dass sie gar nicht mit allen direkt kommuniziert... Hach.

Samstag, 21. April 2012

Wie im Horrorfilm

"Wenn ihr heute abend Stöhnen und Geschrei hört, dürft ihr auf keinen Fall hochkommen und die Tür aufmachen", erklärt Lilli den Strolchen. "Warum, was macht ihr denn?", fragt der kleine Strolch (der grosse Strolch traut sich nicht). "Steuererklärung."

Mit links

Warum haben die jungen Mütter mit ihren Jogger-Kinderwagen so starke linke Handgelenke? Weil sie rechts ihr Handy halten.

Über Lilli

In Süddeutschland geboren und aufgewachsen, nach dem Studium nach Kanada ausgewandert, lebt und liebt Lilli seit 12 Jahren in einem Vorort von Montréal. Sie verdient ihr Brot mit Übersetzungen, die Butter dazu mit Texten aus ihrer Feder und die volle Anerkennung ihres Mannes dafür, zwei Strolche fast immer liebevoll auf ihrem Werdegang zu begleiten.

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Zuletzt aktualisiert: 16. Mai, 12:07

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