Samstag, 30. April 2016

Kloss im Hals

Die Malbücher stehen gleich neben dem Eingang des Geschäfts für Künstlerbedarf, zusammen mit Filz- und Buntstiften aus Deutschland. Die Motive zum Ausmalen reichen von türkischen Fliesen über Zirkusmotive bis hin zu japanischen Landschaften, auch Astérix- und Star Wars-Freunde finden hier etwas nach ihrem Geschmack. Ausmalen ist ja ganz modern, das ist Arttherapie und hilft, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, ist deshalb gut gegen Stress und meditativ. Allerdings sind die meisten Motive so detailliert, dass sie nach geschickten Händen verlangen, die die Feinmotorik so gut drauf haben, dass nicht über die Linien hinausgemalt wird. Früher hatte Lilli Malbücher geliebt, obwohl sie nur selten welche haben durfte - ihre Eltern fanden Anmalen nicht kreativ genug.

Lilli wählt schliesslich das einzige Motiv, das grossflächiger und weniger detailreich ist - Wiesenblumen aus aller Welt. Vielleicht wird ihr dementer Vater daran Freude haben. Früher hat er mit ihr gemalt, nächste Woche, wenn sie nach Deutschland fliegt, wird sie mit ihm malen.

Donnerstag, 7. April 2016

Ein funkelndes Projekt

Seit Monaten hat Lilli so ein Hobby: sie sucht Diamanten. Monsieur ist ein paar Geschenke hinterher und will ihr immer Schmuck schenken, Lilli aber fand jahrelang den kanadischen Schmuck eher einfallslos. Im Herbst aber hatte sie eine Idee: "Schenk mir einen kanadischen Diamanten." Gerne so gross, dass man ihn auf eine gewisse Entfernung mit blossem Auge erkennen kann, und konfliktfrei abgebaut, also rein wie die Liebe, und ausserdem kanadisch wie Monsieur - symbolhafter geht es ja wohl nicht mehr.

Jetzt trifft es sich zudem, dass Lilli eine frühere Kollegin hat, die mit Perlen und Edelsteinen handelt und ihr einen zertifiziert kanadischen Diamant beschaffen kann - "sag mir nur, wie gross, welcher Schliff und welche Farbe". Der Haken dabei: wenn die Frau einen Anhänger machen soll, braucht sie eine Vorlage, und seither sucht Lilli im Internet nach interessanten "Solitaires", ohne fündig zu werden. So was für die moderne Frau, das über eine Krappenfassung oder eine schlichte runde Fassung hinausgeht und Power und Individualtät ausdrückt - es scheint es nicht zu geben. Lilli sucht auf englisch, französisch und deutsch, aber sämtliche Schmuckhändler bieten nur die ewig gleichen, langweiligen Modelle, "weil doch der Stein zur Geltung kommen soll".

Interessante, coole, wirklich ausgefallene und nicht kitschige Ringe gibt es zuhauf, aber keine Anhänger. Eine wahre Marktlücke, die nur darauf wartet, erschlossen zu werden. Ob Lilli wohl das Zeug hat, in den Diamantenmarkt einzusteigen? Sie ahnte ja schon immer, dass Piratenblut in ihren Adern fliesst.

Samstag, 2. April 2016

Lichtblick

Schöne Momente sind es, wenn sich der kleine Strolch mit Lilli zum Fernsehen aufs Sofa setzt. Bisher hatten sie immer Serien gefunden, die beiden zusagen: Breaking Bad, Sherlock Holmes, Downton Abbey. Ja, die Schnittmenge der Fernsehvorlieben zwischen einer 46jährigen Frau und einem 15jährigen Strolch enthält tatsächlich mehrere Titel, aber jetzt nach dem Ende von Downton Abbey hatte Lilli Angst, nichts Neues mehr zu finden.

Und obwohl der kleine Strolch sie manchmal belehrt, dass er irgendwann mal nicht mehr mit ihr fernsehen würde und sie sich schon mal seelisch darauf einstellen kann, weil das nun mal der Lauf der Welt ist (er hat ja so recht), sucht sie nach einer neuen Fernsehdroge, die sie miteinander verbinden und ihnen Stoff zu Diskussionen liefern wird.

Die vierte Staffel von Orphan Black geht am 14. April in Kanada los. Lilli ist - für die nächsten 10 Wochen oder so - gerettet.

Mittwoch, 30. März 2016

Warum man ins Theater geht

"Warten auf Godot" ist ein grässliches Stück, Es passiert ja nichts, Godot kommt nicht, jedenfalls nicht heute, morgen vielleicht, und zum Schluss ist die Aussicht, sich zu erhängen, der einzige Lichtblick für den nächsten Tag.

Noch dazu werden Theaterstücke ja abends gespielt. Im Dunkeln. Nach dem Abendessen. Kein Wunder, dass einem da die Augen zufallen, wenn auf der Bühne nicht der Bär los ist.

Trotzdem waren die Schauspieler klasse, wenn auch, wie gesagt, in einem grässlichen Stück.

Das Stück war so deprimierend, dass der kleine Strolch anschliessend bei einer Tasse Kaffee eine halbe Stunde lang darüber geredet hat, wie er sich mal die Zukunft vorstellt. Dass er mal für eine Leistung weltweit anerkannt werden will, etwas langfristiges hinterlassen will so wie Steve Jobs oder Gaudi. Nicht nur ein guter Angestellter sein oder Anwalt oder Arzt, sondern selbst für Menschen, die ihn nicht kennen, ein Begriff sein.

Wäre das Stück nicht so sinnlos gewesen, wäre diese Unterhaltung womöglich nicht zustande gekommen. Wie war es also im Theater? Klasse.

Dienstag, 29. März 2016

Weltum-spannend

Gestern gelernt: kommt Besuch, der die Landessprache nicht beherrscht, wird die Unterhaltung am Abendbrottisch mühsam. Entdeckt man dann, dass man die gleichen Spiele kennt - zum Beispiel Carcassonne oder Enigma, die ganz ohne Wörter auskommen - kann trotzdem noch ein lustiger Abend daraus werden.

Donnerstag, 24. März 2016

Das Wetter heute

Zuerst kalt, dann Schnee, der sich in Hagel verwandelt, der sich in Eisregen verwandelt, der sich in Schneeregen verwandelt, der sich in Nebel verwandelt.

Am besten wachen wir alle erst übermorgen wieder auf.

Freitag, 18. März 2016

Ist das nicht faszinierend?

Der kanadische staatliche Radiosender bringt unglaublich gute Reportagen von Leuten mit unglaublich guter Aussprache. Neulich hörte Lilli gebannt einer Traumforscherin zu, die über den Wirklichkeitsgrad von Träumen sprach. Ein Kollege, der Traumtagebücher analysiert, hatte ihr erzählt, dass Leute von allem träumen, was man sich nur vorstellen kann - nur nicht davon, dass man das Licht ein-oder ausschaltet. Anscheinend kann das menschliche Gehirn plötzliche Unterschiede in den Lichtverhältnissen während des Träumens nicht darstellen. Seither, so die Forscherin, sucht sie in ihren Träumen nach Lichtschaltern, hat aber noch keinen gefunden.

Lilli hat heute nacht im Traum einen Lichtschalter gefunden. Sie hat sich an die Reportage erinnert und ihn mehrere Male nach unten und oben schnallen lassen.

Er hat nicht funktioniert.

For Dummies

Nach sechseinhalb Jahren mit einem Flipflop hat Lilli nun ein intelligentes Telefon. Sie gibt zu, keine Ahnung zu haben, wie so ein Android-Interface funktioniert. "Probieren Sie einfach alles aus, spielen Sie damit", ermutigt sie der Verkäufer. "Es gibt keine Autodestroy-Taste, es kann also eigentlich nichts schiefgehen."

Auch wenn Lilli weiss, dass dieser Satz wahrscheinlich aus dem Handbuch "Smartphones für Idioten", stammt - sie findet ihn unglaublich beruhigend.

Sonntag, 13. März 2016

Viel Glück und vie-hiel Segen

Der kleine Strolch feiert seinen 15. Geburtstag mit Kinobesuch und anschliessendem Pizzaessen zuhause. Lilli deckt den Tisch, zahlt für die Pizza und lässt die Jungs alleine feiern, während sie im Arbeitszimmer fernsieht. Etwas später steckt der kleine Strolch den Kopf zu ihr herein. "Wir sind jetzt soweit", meint er. Es ist Zeit, den Geburtstagskuchen zu servieren. Während Lilli ihm in die Küche folgt, flüstert er ihr zu: "Du brauchst aber nicht unbedingt zu singen."

Er hat ja keine Ahnung, wie schwer Lilli daran zu schlucken hat.

Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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