Laufen

Dienstag, 29. September 2015

Schritt für Schritt

Lillis Malkurs scheint nichtgeahnte kreative Kräfte in Umlaufbahnen um ihr Gehirn freizusetzen. Plötzlich kommt sie auf Ideen, die ihr in ihrer bisherigen Karriere als Bewohnerin von Montreals Peripherie abwegig erschienen wären. Also so Sachen, die man einfach nicht macht, weil keiner sie macht, man sie bisher nie gemacht hat und auch keiner davon in der Zeitung geschrieben hat. Zum Beispiel nach dem Malkurs, weil so schönes Wetter war (ist ja hier ständig diesen Sommer), nach Hause zu LAUFEN. Zu Fuss.

Sie hatte sich extra ihre Wanderschuhe mitgenommen und deshalb ihr Bild (das sowieso noch nicht fertig war) an der Uni gelassen. Der Weg ging am Fahrradweg entlang (manchmal lief sie auch AUF dem Fahrradweg, was sie als Radlerin immer hasst, aber immerhin weniger als die Rollerblader), am Fluss entlang, über den Fluss drüber, und das herbstliche Wetter tänzelte jubilierend neben ihr her. Zweieinviertel Stunden später war sie zuhause, mit einer wunden Stelle am linken Fuss, aber dem guten Gefühl, sich ein neues Niveau von Selbständigkeit errungen zu haben. Falls mal die Metro, die Busse, Taxis und der Zug nicht fahren sollten, weiss sie jetzt, dass es auch noch eine andere Möglichkeit gibt, wieder heim zu kommen. Schön.

Montag, 3. August 2015

Knackpo auf Rezept

Seit Januar hat Lilli Schmerzen im Knie beim Schwimmen oder Radfahren. "Arthrose", meint der Arzt und verzieht das Gesicht, Da sei nichts zu machen, das käme halt mit dem Alter. Die Physiotherapeutin meint dagegen, sie hätte ein zu loses Kreuzband und zu schwache Muskeln am Oberschenkel, Hüfte und Gesäss. Lilli soll Übungen machen, die diese Muskeln stärken, dann gingen auch die Schmerzen im Knie wieder weg. Das hört sich immerhin besser an als Arthrose! Jetzt also wird sich Lilli einen stählernen Hintern antrainieren, wer hätte das gedacht.

Mittwoch, 10. Juni 2015

Optische Täuschung

Anstatt nur schnell zu gehen, war Lilli jetzt ein paar Mal joggen. Was heisst: sie joggt einen Strassenzug lang, dann geht sie wieder, dann rafft sie sich wieder zum Joggen auf, verfällt wieder ins Gehen usw. Warum sehen eigentlich alle Jogger so aus, als würde ihnen das Laufen Spass machen? Lilli macht vor allem das Aufhören Spass.

Montag, 1. Dezember 2014

2015 wird ein nasses Jahr

Laufen ist schön, aber für die Arme tut es nichts. Im Sommer war Lilli schwimmen, das ist schon besser für die Arme, aber im Winter kommt dafür ja nur das Hallenbad in Frage, und das ist erstens kalt, zweitens klein und drittens trotzdem (oder eigentlich gerade deswegen) übervoll. Noch dazu hat es nur winzigkleine Zeitfenster, in dem "freies Schwimmen" überhaupt geht. Zum Beispiel Samstags von 14 Uhr bis 15 Uhr 15 oder Freitag abends von 20 Uhr 30 bis 21 Uhr 30. Die restliche Zeit ist für Kurse reserviert, und wer keinen Kurs macht, kommt nicht ins Wasser, punktum.

Ah, die Kanadier und ihre Hallenbäder. Hier nimmt man ein 25-Meter-Becken, umrandet es mit zwei Meter gekacheltem Gang und schon hat man ein Hallenbad. So Sachen wie mehrere Becken mit etwa unterschiedlicher Wassertemperatur, oder Kinderbecken und Schwimmerbecken (womöglich mit 50-Meter-Bahnen), oder auch nur ein Liegebereich, das ist Luxus. Hallenbäder sind zum Schwimmen da, nicht zum Wohlfühlen oder ähnlichem modernem Kram.

Trotzdem: Ab Januar wird Lilli schwimmen. Und den kleinen Strolch mitnehmen, der sonst gar keinen Sport machen würde. Womöglich kauft sie sich sogar eine Jahreskarte, um sich selbst zu zwingen, auch wirklich regelmässig zu gehen. Die rentiert sich nämlich erst nach dem 40. Mal.

Sonntag, 27. April 2014

Lilli blättert um

Arme Lilli, keiner will mit ihr spazierengehen. Lilli hat sich nicht nur inzwischen damit abgefunden (ungezählte Male schon ist sie alleine losgezogen), sondern auch das Selbstmitleidsstadium "Arme Lilli" hinter sich gelassen und doch tatsächlich eine Freundin angerufen, ob sie mitgehen will. Also eigentlich keine Freundin, sondern die nette Mutter eines Freundes des grossen Strolches. Da ja vielleicht ein Freundin werden kann, denn sie kam mit, lief im richtigen Tempo und hatte allerhand interessante Dinge zu erzählen. Das Kapitel "Meine Kinder werden gross, Hilfe-was-mach-ich-mit-all-der-Zeit" ist definitif angebrochen. Lilli muss sich nur noch ein ganz klein wenig verrenken, um zu sehen, wieviel Gutes dabei für sie ansteht.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Ge-wichtiges Schuhwerk

Seit einer Woche schon liegt Schnee bei Lilli. Nicht genug, um einen Schneemann zu bauen (obwohl, ein paar schwarzgefleckte, mit Blättern durchsetzte Gestalten sieht man aus den Vorgärten grüssen - da wohnen die Leute, die Kindergartenkinder haben), aber ausreichend, um Salz zu streuen und die Schuhe aufzuweichen. Lilli läuft deshalb in ihren Siebenkilomeilenstiefeln, an die sie sich jedes Jahr aufs Neue gewöhnen muss. Der Schritt mit solchen Gewichten an den Füssen wird automatisch schwerer, ausgreifender, und der Fuss setzt anders auf und rollt anders ab als mit Laufschuhen. "Die Stiefel müssen eingelaufen werden", redet Lilli sich gut zu, obwohl es sich eigentlich so anfühlt, als ob mehrere ihrer Beinmuskeln nach der Sommerpause neu eingelaufen werden müssten.

Montag, 25. November 2013

Kalt, aber schön

Wenn es im Radio heisst: "Bonjour, il est 7 heures, il fait -13 degrées", dann muss man zum Laufen lange Unterhosen anziehen. Und natürlich eine Mütze auf den Kopf und einen Schal um den Hals. Da es heute aber windig war, zog sich Lilli nach ein paar Schritten auch nocht die Kapuze über die Mütze. Ganz plötzlich wird es deshalb seltsam still, die Geräusche der Strasse dringen nur noch dumpf an die Ohren, dafür füllen die sich mit dem rhythmischen Reiben des Kapuzenfutters an den Haaren. Grsch, grsch, grsch macht es im Takt der Schritte, grsch, grsch, grsch. Eine "Perkussionsstille", die zum Nachdenken anregt und zum Insichgehen. Nicht schlecht für einen Montagmorgen, der den Auftakt zu einer hektischen Woche bildet.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Le courrier du genou*

Der grosse Strolch hat sich unter "Physiotherapie" was anderes vorgestellt. Vielleicht, dass er nett massiert wird oder dass jemand sein Knie hin- und herdreht und irgendwelche Messungen aufschreibt. Stattdessen muss er Fragen über Fragen beantworten, die alle mit der Intensität von Schmerzen und deren Eigenschaften (stechend? dumpf? ausstrahlend?) zu tun haben und dementsprechend schwer zu beantworten sind. Dann muss er Übungen machen, die richtig anstrengend sind, und bekommt zudem ein Trainingsprogramm mit nach Hause, das täglich absolviert werden soll. Ein klarer Fall von Mogelpackung - hätte das auf französisch wie im Deutschen "Krankengymnastik" geheissen, wäre ihm die Enttäuschung erspart geblieben.

* So - nämlich "Briefe vom Knie" nennt Lillis Lieblingskolumnist der Montrealer Tageszeitung "La Presse" seine Texte, wenn er auf alle möglichen diversen Leserkommentare und -anfragen eingeht, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Ein herrlicher Ausdruck.

Freitag, 19. Juli 2013

Letzte Postkarte aus Boston

Boston kann man wunderbar zu Fuss besichtigen, aber das neueste Ding geht so:
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Sonntag, 16. Juni 2013

Lillis cooler Arbeitsweg

Eine Photoreportage

Nach nur ein paar Minuten durch verschlafene Vorstadtstrassen (Haus, Baum, Haus, Baum, Haus) kommt Lilli hier an:
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Danach wird es idyllisch:
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Noch sind Spuren des F1-Rennens zu erkennen. Fliegt diese Linie überhaupt nach Montréal?
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Nach etwa der Hälfte winkt der "Leuchtturm des Kosmos". Ein sympathischer Typ!
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Wer sagt, dass Montréal keine schöne Stadt ist? Zumindest morgens um 8, in diesem Licht...
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Hier will der kleine Strolch mal wohnen, wenn er gross ist. Lilli kommt dann zum Haushüten, wenn er im Urlaub ist.
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Das letzte Stück geht durch den Verkehr durch:
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Angekommen!
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Über Lilli

Laufen ist denken, manchmal auch überlegen, immer aber sich erneuern. Eine neue Sicht auf die Dinge erlangen, die uns bewegen. Laufen ist manchmal auch davonlaufen, für eine Weile wenigstens, bevor man wieder heimkommt zu Mann und Kindern, Wäsche und Kochtopf, zu den eigenen Macken und all den bunten Schnipseln, die ein Leben so ausmachen. Laufen ist das beste Beobachten, das es gibt.

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